# taz.de -- sonntaz- Streit der Woche: Raus aus Afghanistan
       
       > Die Gewalt in Afghanistan eskaliert. Abzug der Truppen, forden
       > Franktionschefs von Grünen und Linke in der sonntaz. Die Folgen wären
       > verheerend, entgegnen Afghanistan-Experten.
       
 (IMG) Bild: Gregor Gysi: "Der Krieg der Nato in Afghanistan hat nicht zu Frieden, sondern zu mehr Gewalt und Terror geführt."
       
       BERLIN taz | Kurz vor der Entscheidung des Bundestages über ein neues
       Afghanistan-Mandat fordern Spitzenpolitiker von Grünen und Linke das
       sofortige Ende des Bundeswehreinsatzes. "Wir brauchen eine
       Ausstiegsstrategie statt Leugnung des Krieges oder gar Durchhalteparolen",
       schreibt Hans-Christian Ströbele, Vize-Franktionschef der Grünen, im
       "Streit der Woche" der sonntaz. Mehr Soldaten würden bewirken, dass sich
       Deutschland immer weiter in einen endlosen Krieg verstricke.
       
       In der kommenden Woche stimmt der Bundestag darüber ab, ob Deutschland bis
       zu 300 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch schickt. Sie wären Teil des
       Nato-Einsatzes, in dem Awacs-Aufklärungsflugzeuge in Afghanistan den
       Luftraum überwachen sollen.
       
       Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linken, warf der Bundesregierung
       vor, Mitschuld an der Eskalation der Sicherheitslage zu tragen. "Der Krieg
       der Nato in Afghanistan hat nicht zu Frieden, sondern zu mehr Gewalt und
       Terror geführt", schreibt er in der sonntaz. Nicht trotz sondern wegen des
       Einsatzes seien Ziele wie Wiederaufbau, Demokratie und Sicherheit in weite
       Ferne gerückt.
       
       Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) rechtfertigt dagegen auch nach
       dem Tod dreier deutscher Soldaten in dieser Woche die Strategie der
       Bundesregierung. "Wir haben schon viel erreicht", schreibt er im "Streit
       der Woche". Sobald Afghanistan unter die Taliban zurückfalle, habe das auch
       Terror für die Welt zufolge. Damit, das zu verhindern, sorge die Bundeswehr
       "unmittelbar für die Sicherheit der deutschen Bevölkerung",schreibt Jung.
       
       Auch Tom Koenigs, ehemaliger UN-Beauftragter für Afghanistan, sieht die
       Gefahr "grausiger Massaker" bei einem Abzug der Bundeswehr. "Auch Pakistan
       wird in den Strudel gezogen werden", sagt der Grünen-Politiker in der
       sonntaz.
       
       Im "Streit der Woche" schreiben neben Ströbele, Gysi, Jung und Koenigs die
       Politikwissenschaftlerin Andrea Fleschenberg dos Ramos Pinéu, Jama Maqsudi,
       der Vorstand des Deutsch-Afghanischen Flüchtlingshilfe-Vereins und Britta
       Petersen, Gründerin der Initiative Freie Presse, die sich für den Aufbau
       unabhängiger Medien in Afghanistan engagiert. Außerdem erklärt der
       ehemalige Bundeswehrsoldat und taz.de-Leser Sven Dittmann, warum er für den
       Abzug der Truppen ist.
       
       26 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luise Strothmann
       
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