# taz.de -- Fahndung per Dopingdatenbank: Den "Dirty 50" auf der Spur
       
       > Die ersten Radsportler werden wegen auffälliger Blutwerte aus dem Verkehr
       > gezogen. Ob das juristisch haltbar ist, muss sich noch erweisen.
       
 (IMG) Bild: Auch bei der Tour de France 2009 werden Dopingfahnder wieder versuchen, ein paar dicke Fische aus dem Feld zu angeln.
       
       BERLIN taz | Die Dopingjäger haben sich professionalisiert. Statt
       Hobbyanglern, die ihre Rute in x-beliebige Gewässer halten, weil dort nach
       statistischer Wahrscheinlichkeit ein Fisch zu fangen ist, legen sie jetzt
       ihre Netze an gut ausgesuchten Stellen aus. Zwar holen sie noch nicht ganze
       Schwärme dopingverseuchter Spitzensportler aus ihren Fanggründen, aber
       immerhin ist der eine oder andere kapitale Brocken dabei. Nach der
       Cera-Serie in der letzten Saison werden jetzt mit Hilfe des
       Blutpass-Programms des Internationalen Radsportverbandes UCI verdächtige
       Sportler eingekreist und dank verbesserter Analytik auch überführt.
       
       Fünf Profis, unter ihnen Ex-Weltmeister Igor Astarloa, wurden Mitte Juni
       aus dem Wettkampfbetrieb genommen, weil ihre Blutprofile verdächtige
       Schwankungen aufwiesen. Drei Tage vor dem Start der Tour de France ist das
       holländische Rundfahrt-Talent Thomas Dekker aufgeflogen. "Ungewöhnliche
       Blutwerte haben uns zu einer Nachanalyse alter Proben veranlasst", gab die
       UCI bekannt. Bei einem Test aus dem Dezember 2007 wurde jetzt das Kölner
       Antidoping-Labor fündig und wies Spuren von Dynepo nach. Mit diesem
       Epo-Derivat hatte im gleichen Jahr der damalige Teamkollege bei Rabobank,
       Michael Rasmussen, seine beeindruckende Performance bei der Tour
       ermöglicht. Dekker, inzwischen vom Team des Tourmitfavoriten Cadel Evans
       als Edelhelfer verpflichtet, ist als konstanter Doper auch über den
       Rennstallwechsel hinaus enttarnt. Bei Rabobank hat er mindestens Dynepo
       genommen, bei Silence-Lotto waren seine Werte so dubios, dass er auf die
       Fahndungsliste der UCI geriet.
       
       Die hält weitere 50 Sportler für besonders beobachtungswürdig. Wer dies
       genau ist, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Die französische Sportzeitung
       L´Équipe berichtet von vier bis sieben Fahrern, bei denen zielgerichtete
       Nachkontrollen zu positiven Ergebnissen geführt hätten. Sie sind dem Kreis
       der 50 zuzuordnen. Ein Großteil der über 500 Dopingkontrollen während der
       Tour wird nach Ankündigung von UCI-Präsident Pat McQuaid diesen "Dirty 50"
       gewidmet sein.
       
       Das anfangs euphorisch gefeierte, später wegen ausbleibender Ergebnisse
       kritisch beäugte Datensammeln der Bio-Informatiker aus Lausanne lohnt sich
       mittlerweile. Fraglich ist allerdings, welchen juristischen Wert Sperren
       wegen verdächtiger Werte haben. Das höchste Sportgericht CAS hatte dem
       Russen Wladimir Gussew, der von Team Astana wegen auffälliger Werte
       entlassen worden war, Anspruch auf fortlaufende Gehaltszahlungen zuerkannt.
       Im Antidoping-Feld reicht professionelles Fischen allein nicht aus. Der
       Netzeleger braucht auch noch einen Gutachter, der erklärt, ob ein mit
       Augenschein gut erkennbarer Fisch auch juristisch ein solcher ist.
       Juristisch sicher ist das Klassement dieser Tour übrigens erst im Jahr
       2017. Acht Jahre lang dürfen Antidoping-Agenturen alte Proben analysieren.
       
       3 Jul 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tom Mustroph
       
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