# taz.de -- Kommentar Störfall im Akw: Gabriel muss Krümmel stilllegen
> Wäre Vattenfall eine Fluglinie, und Krümmel ein Jet, die Behörden hätten
> das Flugzeug längst stillgelegt und die Fluglinie abgestraft. Aber es
> geht ja nur um Atomkraft.
Immer wieder Vattenfall, und meistens gehts um Krümmel. Man stelle sich
einfach mal vor, Vattenfall wäre eine Fluglinie und Krümmel eine der
ältesten Maschinen der Flotte. Vor zwei Jahren musste der Flieger wegen
eines Brands im Triebwerk notlanden. Seither wurde an ihm gewerkelt. Als
man nun nach langer Reparatur wieder versuchte, die Maschine zu starten,
musste der Vorgang wegen ernsthafter Probleme abgebrochen werden. Erst
einmal, dann sogar ein zweites Mal.
Im Fall der Luftfahrt wäre die Konsequenz eindeutig: Die
Sicherheitsbehörden würden sofort einschreiten und die Maschine aus dem
Verkehr ziehen. Eine eher noch strengere Aufsicht sollte man nun erwarten,
wenn es um Atomkraft geht - um die gefährlichste zivile Technik, die der
Mensch je schuf.
Doch man wird bitter enttäuscht. Die Aufsicht in Person von Gitta
Trauernicht, der Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein, lässt
handzahm wissen, sie habe "eine erneute Zuverlässigkeitsprüfung" des
Betreibers veranlasst. Eine ähnliche Prüfung verlief übrigens schon vor
zwei Jahren im Sande; der Austausch einiger Köpfe bei Vattenfall reichte
aus, um die Aufsicht wieder milde zu stimmen.
Und auch die Aussage Trauernichts, Vattenfall sei jetzt in der Pflicht,
weitreichende Konsequenzen aus dem jüngsten Störfall zu ziehen, zeugt nicht
gerade von besonderer Courage. Denn die Ministerin muss heute wirklich
nicht mehr lange fordern; sie ist befugt, als Aufsicht Fakten zu schaffen
und Krümmel den Stecker zu ziehen. Denn es kann nach den jüngsten Vorfällen
nicht mehr um die Frage gehen, ob Krümmel wegmuss, sondern nur noch darum,
auf welchem Weg. Entzieht man Vattenfall generell mangels Zuverlässigkeit
die atomrechtliche Genehmigung? Oder entzieht man nur dem Meiler Krümmel
die Betriebserlaubnis, weil die Technik offensichtlich nicht beherrschbar
ist?
Und wenn Trauernicht sich, wie zu befürchten, nicht traut, muss Sigmar
Gabriel ran. Der Bundesumweltminister hat erst letzte Woche der Atomlobby
in Form des Atomforums ins Stammbuch geschrieben, sie betreibe Lug und Trug
und stehe für das Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen von Gefahren.
Jetzt hat Gabriel die Chance, zu zeigen, dass er mehr draufhat als durchaus
sympathische starke Sprüche - indem er Kiel eine atomrechtliche Weisung
erteilt, Krümmel endgültig stillzulegen.
5 Jul 2009
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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