# taz.de -- Frohe Botschaft für Eltern: Einigung im Kita-Tarifkonflikt
       
       > Der Streit um mehr Lohn und besseren Arbeitsschutz für Beschäftigte in
       > Kitas ist beigelegt. Auch ver.di stimmt dem Kompromiss zu, wonach
       > Erzieherinnen 120 Euro mehr im Monat kriegen.
       
 (IMG) Bild: Verdi-Chef Frank Bsirske (links) und der Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle. "Es war eine schwere Geburt", so Böhle.
       
       Eltern können aufatmen, der Streik der ErzieherInnen hat ein Ende. Gestern
       einigten sich Kommunale Arbeitgeber und Gewerkschaften auf bessere Gehälter
       und bessere Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen und Sozialberufe. Der
       Einigung vom Morgen hatten der Verband kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA)
       und die Bildungsgewerkschaft GEW bald zugestimmt. Am Nachmittag stimmte
       auch die 300-köpfige Verdi-Streikkommission dem Kompromiss zu.
       
       Vorgesehen ist eine eigene Entgeltgruppe für die Sozial- und
       Erziehungsberufe im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvÖD), die etwa
       den ErzieherInnen ein leichtes Plus gewährt, und zwar auch gegenüber dem
       alten BAT. Im Schnitt erhalten sie nun 120 Euro mehr im Monat.
       
       Der Städte- und Gemeindebund erwartet von der Einigung im Kita-Tarifstreit
       eine Mehrbelastung für die Kommunen in Höhe von 500 bis 750 Millionen Euro
       pro Jahr. Wegen des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder
       unter drei Jahren ab 2013 werden dann noch einmal weitere 70.000
       ErzieherInnen gebraucht - und bezahlt werden müssen.
       
       Die Arbeitgeber weinen allerdings teilweise Krokodilstränen, denn sie haben
       lange von einer Unterbewertung der Erziehungsarbeit profitiert. Als der
       neue Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes im Jahr 2005 eingeführt wurde,
       wurden die Erzieherinnen provisorisch in Gruppe 6 gesteckt, zusammen mit
       den dreijährigen Ausbildungsberufen. Das war nicht ganz ausbildungsgerecht,
       denn Erzieherinnen besuchen in der Regel eine Fachschule und werden
       insgesamt 5 Jahre lang ausgebildet.
       
       Das ist formal ein ähnlicher Bildungsweg wie bei Technikern, die ebenfalls
       eine Fachschule besuchen. Techniker aber sitzen im TvÖD in der
       Entgeltgruppe 8 und bekommen dort bis zu 250 Euro mehr. Im Vergleich zum
       alten BAT machten Erzieherinnen erst recht Verluste. Bis zu 400 Euro
       weniger verdienen sie im neuen TvÖD. Das alles sollte schon längst geändert
       werden, bis 2007 sollten die ErzieherInnen neu eingruppiert sein.
       
       Das aber zögerten die Arbeitgeber immer weiter hinaus. Ihnen war es Recht,
       dass die ErzieherInnen relativ preiswert zu haben waren. Die Kommunen haben
       also seit 2005 auf Kosten der Erzieherinnen gespart. Wenn sie diese Summe
       nun als "Mehrbelastung" beklagen, so könnte man mit dem selben Recht sagen,
       es sei die Summe, die den ErzieherInnen zuvor vorenthalten worden war.
       
       Der Tarifkonflikt hatte sich seit Januar hingezogen und war von massiven
       Streiks begleitet worden, die viele Eltern klagen ließen. Allerdings waren
       auch die Sympathien für die ErzieherInnen groß geblieben: Denn die
       Anforderungen an ihren Beruf sind in den letzten Jahren ständig gewachsen.
       
       So arbeiten die meisten Kitas mittlerweile mit Bildungsplänen. Jeder
       Entwicklungsschritt des Kindes soll dokumentiert werden. Zudem müssen sich
       immer mehr Kitas auf Kleinstkinder einstellen, die gerade erst laufen und
       sprechen lernen: Die aber brauchen ganz andere Betreuung als Drei- und
       Vierjährige. All diese Anforderungen aber schlagen sich bisher nicht in der
       Bezahlung nieder.
       
       Generell, so haben Gutachten gezeigt, wird die Verantwortung für Menschen
       in den öffentlichen Tarifverträgen eher unterbewertet, im Gegensatz zur
       Verantwortung für Mitarbeiter oder für viel Geld: Das eine zählte man
       traditionell zu den typischen Frauentätigkeiten, die voller Idealismus
       betrieben werden und nur einen Zuverdienst erbringen müssen, das andere zu
       Männerberufen, die einen "Familienlohn" sicher stellen müssen. Diese
       Annahmen allerdings treffen die Realität längst nicht mehr. Die Aufwertung
       typischer Frauentätigkeiten steht also generell auf der Tagesordnung.
       
       28 Jul 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heide Oestreich
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Erzieher
       
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