# taz.de -- Kommentar Asse: Was uns das Atomendlager lehrt
> Atomkraft kann nicht so sicher sein, wie es die Regierung immer
> behauptet. Schließlich Arbeiten auch hier Menschen. Und damit sind Fehler
> schlicht vorprogrammiert.
(IMG) Bild: Bei diesem Durcheinander ist es ja auch schwierig mit dem Zählen.
Rechnen gehört nicht unbedingt zu den Fähigkeiten, die jedem Menschen in
die Wiege gelegt sind. Und selbst wenn - jeder kennt diese in aller Eile
geschriebenen Zahlendreher, die man später einmal verflucht, wenn man sie
denn überhaupt bemerkt.
Dem ehemaligen Betreiber des Atomendlagers Asse ist nun, reichlich spät,
eine solche Schusseligkeit aufgefallen. Durch fehlerhafte Additionen
glaubten die Asse-Atomiker jahrelang, in ihrem maroden Bergwerk seien neun
Kilogramm Plutonium versteckt. In Wahrheit sind es aber mehr als dreimal so
viel, nämlich 28 Kilogramm. Ziemlich dumm gelaufen.
Es kann schon mal vorkommen, dass sich der Verkäufer an der Wursttheke im
Supermarkt vertippt und dem Kunden einen Berg Weißwürste berechnet, den er
nicht erhalten hat. Das ist für die individuelle Haushaltskasse zwar
bedauerlich, für die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland aber weniger
bedeutsam. Unglücklicherweise handelt es sich aber bei Plutonium um einen
der giftigsten Stoffe, die es auf diesem Erdball gibt.
Unglücklicherweise tropft es in die alten Bergwerkstollen von Asse so
ähnlich herein, als handele es sich um eine Tropfsteinhöhle. Und
unglücklicherweise weiß derzeit niemand so genau, ob und wie man diesen
unterirdischen Müllhaufen sanieren kann und was das kosten wird. Sehr dumm
gelaufen.
Ganz gewiss wird sich nun mindestens ein Verantwortlicher des
Helmholtz-Zentrums ob des Rechenfehlers die Haare raufen. Wie konnte das
nur passieren? Hätte man bloß noch mal nachgerechnet! Doch es ist müßig,
nun eine genaue Fehlerdokumentation zu verlangen und dem Verantwortlichen
mit Entlassung zu drohen. Fehler passieren. So wie der Mensch
vernunftbegabt ist, so ist er leider bisweilen ein Volltrottel. So wie
Fehler nicht passieren dürfen - sie geschehen leider bisweilen doch.
Und was folgt daraus? Weil wir alle bisweilen vertrottelt sind, muss
Technik möglichst so narrensicher sein, dass daraus keine Katastrophe
werden kann. Bei der Atomkraft ist das offenkundig nicht immer der Fall.
Die von Politikern gerne abgegebene Behauptung, dass deutsche
Kernkraftwerke sicher seien, impliziert, dass in Deutschland lebende
Arbeitnehmer grundsätzlich fehlerlos tätig sind. Das ist leider völliger
Blödsinn - und das weiß auch schon der letzte Freund der Atomenergie.
31 Aug 2009
## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
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