# taz.de -- Afghanistan-Konferenz: US-Truppenaufstockung rückt näher
> Der Kommandeur der US-Truppen am Hindukusch fordert "verstärkte
> Anstrengungen". Die Bevölkerung sieht das jedoch anders. Und der Druck
> auf Obama wächst.
(IMG) Bild: Mehr oder weniger Soldaten – für Obama ist das ein Dilemma.
WASHINGTON taz | Forderungen nach einer baldigen Festlegung auf eine neue
Afghanistan-Strategie bekommt US-Präsident Barack Obama nun auch aus der
militärischen Führung. In einem bislang geheimen Lagebericht soll der
Oberkommandierenden der US- und Nato-Truppen in Afghanistan die Situation
in dem Land US-Medienberichten zufolge als "ernst" bezeichnet haben.
Ein Erfolg im Kampf gegen Extremisten sei zwar nicht aussichtslos, erklärte
General Stanley McChrystal, er sei aber nur mit einer veränderten Strategie
und "verstärkten Anstrengungen" möglich. Das Ziel müsse sein, so der
Oberkommandierende, dass afghanische Soldaten die Führung übernehmen. Doch
die afghanische Armee benötige noch drei Jahre Aufbauarbeit, die
afghanischen Polizeikräfte noch viel länger.
Obama werde den Report in den kommenden Tagen in Camp David studieren,
erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Dienstag. Mit
raschen Entscheidungen hinsichtlich einer möglichen Truppenaufstockung sei
jedoch nicht zu rechnen.
US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte aber kürzlich nicht
ausschließen, dass die Truppenzahl nach der Prüfung des McChrystal-Berichts
erneut aufgestockt werden könnte. US-Militärs hatten Richard Holbrooke,
Obamas Sondergesandten für die Region, vor kurzem gesagt, die Zahl der
Soldaten in Afghanistan sei nicht ausreichend.
Ausländische Soldaten erleiden am Hindukusch ihr gefährlichstes Jahr seit
Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor acht Jahren. In den ersten acht
Monaten wurden nach Angaben der unabhängigen Internetseite icasualties.org
mehr als 300 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet. 2008 waren es
insgesamt 294 Soldaten.
Bei Sprengstoffanschlägen im Süden Afghanistans kamen am Montag erneut zwei
US-Soldaten ums Leben. Mit insgesamt 47 getöteten Soldaten war der August
für die Vereinigten Staaten der verlustreichste Monat. Umfragen zeigen,
dass der Rückhalt für den Einsatz schwindet. Laut einer Umfrage des Senders
CBS vom Dienstag gaben vier von zehn US-Bürgern an, dass sie die Zahl der
Soldaten in Afghanistan verringert sehen möchten; 52 Prozent glauben, der
Krieg sei erfolglos. Im April hatten noch 56 Prozent Zustimmung geäußert.
Für Obama könnte die Entscheidung - mehr Truppen nach Afghanistan ja oder
nein - zu einem argen Dilemma werden. Mit der von den Militärs
befürworteten Aufstockung riskiert er, seine kriegsmüde politische Basis zu
verärgern. Bleibt die US-Strategie gegenüber den Taliban jedoch halbherzig,
verliert Obama seine Unterstützer - und dazu den Kampf in den Bergen
Afghanistans.
Obgleich das Obama-Team nicht müde wird, die Gründe für das
Afghanistan-Debakel der Bush-Administration zuzuschreiben, die das
US-Militär jahrelang auf Sparflamme agieren ließ, unterstützen bislang am
lautesten die Republikaner den Präsidenten. Der hatte den Krieg in
Afghanistan zum "notwendigen Krieg" erklärt, im Gegensatz zum "dummen
Krieg" im Irak.
Doch mehr und mehr schwindet auch auf republikanischer Seite die Lust am
Kampf gegen islamistische Extremisten. Der konservative Kolumnist George
Will forderte Obama zu Wochenbeginn in der Washington Post auf, die
Verluste zu zählen und sich aus dem Staub zu machen.
Eine Forderung, die unter der US-amerikanischen Rechten eine heftige
Debatte auslöste. Ausgerechnet das Nationalkomitee der republikanischen
Partei, der Sympathien für Obama bislang eher unverdächtig, verschickte
jedoch am Dienstag eine Pressemitteilung, in der es Obama drängte,
"standhaft" bei seinem Krieg zu bleiben.
Gegenwärtig befehligt McChrystal, der seinen Job erst Mitte Juni angetreten
hatte, rund 103.000 Soldaten, darunter 63.000 US-Amerikaner. Die Hälfte
davon kam erst in diesem Jahr in Afghanistan an.
Die US-Soldaten waren im Rahmen einer Eskalationsstrategie in den
Hindukusch entsandt worden, die Obamas Vorgänger US-Präsident George W.
Bush begonnen hatte, die aber von Obama entschiedener vorangetrieben wurde.
Die Gesamtzahl soll bis Ende des Jahres 110.000 erreichen, davon 68.000
US-Truppen.
3 Sep 2009
## AUTOREN
(DIR) Adrienne Woltersdorf
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(DIR) Kommentar US-Strategie in Afghanistan: Konsequent erfolglos
Mit seiner neuen Strategie wird es Obama wohl nicht schaffen, wieder mehr
Rückhalt für den Afghanistan-Einsatz zu bekommen.