# taz.de -- Überwachung bei der Baseball-WM: Berichten, nicht bomben
> Die Baseball-WM läuft. Auch die taz ist in Regensburg dabei, obwohl die
> Polizei die Daten aller Journalisten überprüfen wollte. Doch der
> Veranstalter vertraut den Reportern.
(IMG) Bild: WM-Organisator Armin Zimmermann steht im Regensburger Baseball-Stadion, das 10.000 Zuschauer fasst.
Am Mittwoch hat die Baseball-WM in Regensburg begonnen. Mit dabei:
taz-Mitarbeiter Thomas Winkler. Der hatte sich frühzeitig um eine
Akkreditierung bemüht und ging bis vor zwei Wochen davon aus, dass er
problemlos im Pressebereich des Armin-Wolf-Stadions arbeiten kann. Dann
fand er eine Email des Veranstalters, der Baseball WM 2009
Betriebsgesellschaft mbh, in seinem Postfach. Angehängt ein Formular der
Polizeiinspektion Regensburg 2: eine Einverständniserklärung zur
Sicherheitsüberprüfung.
Der Journalist als gefährliches Element - da war doch was? Genau. Die taz
hat die Berichterstattung von der Leichtathletik-WM im August abgelehnt,um
gegen die unverhältnismäßige Überprüfung von Journalisten durch
Polizeibehörden und Geheimdienste zu protestieren. Jetzt also die
Baseball-WM. Was tun? Wieder boykottieren?
"Bei Fragen können Sie sich an den PHK Rainer Baldauf wenden", heißt es auf
dem Formular der Regensburger Polizei. Die taz will wissen, wie das
Sicherheitskonzept für die Vorrunde der WM entstanden ist. "Sie meinen, wer
beschlossen hat, dass es eine Sicherheitsüberprüfung gibt?", fragt der
Polizeihauptkommissar und schiebt die Antwort gleich nach: "Ich." Eine
einsame Entscheidung? "Nach dem Bayerischen Polizeiaufgabengesetz bin ich
dazu befugt", sagt Baldauf.
Dort heißt es in Artikel 43, dass die Polizei personenbezogene Daten
abgleichen kann, "wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dies zur
Erfüllung einer bestimmten polizeilichen Aufgabe erforderlich ist." Und
welche Tatsachen sind das? Ist es gar gefährlich, die Baseball-WM zu
besuchen? "Mir liegen da Gefährdungsbilder vor, die dieses Vorgehen
rechtfertigen", sagt PHK Baldauf. Die bekommt er von den
Landeskriminalämtern und den Verfassungsschutzbehörden. Mehr könne er dazu
nicht sagen.
Baldauf weiß, dass ein derartiger Datenabgleich einen Eingriff in die
"informationelle Selbstbestimmung" darstellt. Deshalb ist er "glücklich",
dass er sich mit dem Veranstalter "auf ein Verfahren einigen" konnte. Der
holte dann die Einverständniserklärungen von den Journalisten ein, die
darin Geburtsdatum, Geburtsort und Personalausweisnummer anzugeben hatten.
Dass eine derartige Einverständniserklärung alles andere als freiwillig
zustande kommt, das machte Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix im
Vorfeld der Leichtathletik-WM in der taz deutlich: "Journalisten, die nicht
ins Olympiastadion gelassen werden, können nur über das berichten, was
jeder im Fernsehen sehen kann.
Letztlich verhängt damit also ein privater Veranstalter Berichterstattungs-
und Beschäftigungsverbote", schrieb er. Dieser Eingriff in die
Pressefreiheit war einer der Hauptgründe, warum die taz sich geweigert hat,
von dem Großereignis in Berlin zu berichten.
Jetzt wurden also wieder Daten von Journalisten abgefragt. und mit
Datensammlungen der Polizeibehörden von Bund und Ländern abgeglichen.
Geheimdienstliche Dateien - wie bei der Leichtathletik-WM geschehen -
wurden nicht angezapft. Eine derartige Tiefenüberprüfung hätte ein
Polizeihauptkommissar auch nach dem im Vorjahr novellierten
Polizeiaufgabengesetz, in dem von der Rasterfahndung bis zum Ausspionieren
von Computern (Stichwort Bayerntrojaner) viel mehr erlaubt ist als in
anderen Bundesländern, nicht im Alleingang anordnen können.
Wie bei der Leichtathletik-WM sollten auch in Regensburg alle, die in der
10.000 Zuschauer fassenden Arena einer Tätigkeit nachgehen, überprüft
werden. Neben Journalisten, auch Mitarbeiter des Ordnungsdienstes und das
Gastronomiepersonal. Alle, bis auf Polizeibeamte. Baldauf: "Da können wir
von einem guten Leumund ausgehen.
"Glücklich" mit den Ideen des Herrn Baldauf ist man beim Veranstalter des
Turniers in Regensburg nicht unbedingt. "Ich musste jedem dieses Formular
nachschicken", sagt der Medienbeauftragte Christian Swoboda. Für ihn war
das vor allem Mehrarbeit. Er sagt auch: "Ich gehe einmal davon aus, dass
alle, die sich akkreditieren lassen über Baseball berichten, und keine
Bombe schmeißen wollen." Die Akkreditierung will er der taz nicht
verweigern. "Der Kollege soll sich bei mir melden, wenn er da ist", sagte
er.
Er müsse sich dann, bevor er das Stadion betritt, der "ganz normalen
Einlasskontrolle" unterziehen, "wie jeder normale Zuschauer". Die Frage
nach einem möglichen Boykott war damit vom Tisch. Die taz ist in Regensburg
dabei.
10 Sep 2009
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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