# taz.de -- Anklage gegen Neonazis: Heimattreue vor Gericht
       
       > Nach dem Verbot der rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" wird
       > erstmalig Anklage erhoben - gegen einen Berliner Biologiestudenten.
       
       Gegen Mitglieder der im März verbotenen rechtsextremen Jugendorganisation
       "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) hat die Berliner Staatsanwaltschaft
       eine erste Anklage erhoben. Dem 25-jährigen Ragnar D. aus Berlin sowie
       einem 25-Jährigen und einer 24-Jährigen aus Niedersachsen werden unter
       anderem die Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger
       Organisationen, Volksverhetzung und das Verwenden von verfassungswidrigen
       Kennzeichen vorgeworfen.
       
       Ragnar D. zählte als "Sektionsführer Mecklenburg Vorpommern" zu den
       Führungsfiguren der HDJ. Die versuchte mit Zeltlagern und Schulungen
       nationalsozialistische Ansichten an Kinder und Jugendliche zu vermitteln.
       Laut Staatsanwaltschaft soll D. im Mai 2006 bei einem "Pimpfenlager" mit
       Kindern Gesichtsmasken mit spiegelverkehrten Hakenkreuzen gebastelt haben.
       Der zweite Vorwurf betrifft eine HDJ-"Julfeier" im Januar 2007, die von den
       beiden anderen Angeklagten organisiert wurde. Hier soll Ragnar D. eine
       "Rasseschulung" für 30 bis 40 Personen vorgenommen haben. Der
       Biologiestudent habe "auf der Grundlage von Literatur der
       nationalsozialistischen Ideologie" einen Vortrag über "menschliche
       Rassenunterschiede" gehalten und vor "Durchmischung" gewarnt. Im Anschluss
       habe er den verbotenen, von der NSDAP in Auftrag gegebenen Film "Der ewige
       Jude" gezeigt.
       
       Auch der Berliner NPD-Chef Jörg Hähnel war führendes Mitglied der HDJ. Laut
       Staatsanwaltschaft wird gegen den 34-Jährigen in diesem Zusammenhang nicht
       ermittelt. Ein Verfahren wegen Volksverhetzung laufe aber weiter gegen
       Hähnel. Dieser hatte Ende September pseudo-amtliche
       "Heimreiseaufforderungen" an migrantische Politiker in Berlin verschickt.
       
       15 Oct 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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