# taz.de -- Öko-Tarif bei der Bahn: Kunden sollen Klima retten
       
       > Die Deutsche Bahn AG bietet ihren Großkunden Geschäftsreisen an, die
       > weitgehend CO2-neutral sind. Dem Grünen Winfried Hermann reicht das
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Ein ICE, unterwegs im Bremer Hauptbahnhof.
       
       Die Deutsche Bahn AG bietet ihren großen Firmenkunden klimafreundliche
       Geschäftsreisen an. Das teilte der bundeseigene Mobilitätskonzern am Montag
       mit.
       
       Das Prinzip dabei: Die Bahn berechnet den Energiebedarf der vertraglich
       vereinbarten Geschäftsreisen der Großkunden im Voraus. Die dafür benötigte
       Strommenge bezieht die Bahn dann komplett aus regenerativen Energiequellen
       in Deutschland.
       
       Allerdings berechnet die Bahn nur den Energieverbrauch für den reinen
       Transport, der Energieaufwand für Bau und Erhalt von Zügen und
       Infrastruktur wird nicht berücksichtigt. Die Ökofahrkarten sollen durch den
       Klimaschutz-Aufschlag kaum teurer werden: Der Aufpreis betrage etwa 1
       Prozent, so die Bahn. Ein emissionsfreies Ticket von Berlin nach Frankfurt
       am Main koste die Kunden dann etwa 76 Cent mehr als eine klassische
       Fahrkarte. Dies sei erheblich weniger als die nachträgliche Kompensation
       der bei Flugreisen entstehenden Emissionen, etwa über Atmosfair. Für die
       gleiche Strecke würden dort 6 Euro veranschlagt.
       
       Die Nachfrage nach dem neuen Klimatarif ist laut Bahn bereits groß: 17
       Großkunden entschieden sich demnach bereits dafür, darunter die Deutsche
       Post, der Softwarekonzern SAP, die Generali-Versicherung, McDonalds und die
       Deutsche BP. Die Klimabilanz der beteiligten Unternehmen werde damit schon
       um rund 5.000 Tonnen des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2)
       entlastet. 
       
       Das Angebot gelte zunächst für Großkunden, die ihre Reisekontingente im
       Voraus buchten, erklärte ein Bahn-Sprecher auf Nachfrage. Denn bei dieser
       Vorgehensweise kenne das Unternehmen frühzeitig genau die Menge des Stroms,
       den es aus regenerativen Quellen beziehen müsse. Im vergangenen Jahr habe
       die Bahn 16 Prozent ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen
       bezogen, in diesem Jahr seien es schon 17 Prozent.
       
       Den größten Anteil an der Energieerzeugung der Bahn machte im vergangenen
       Jahr allerdings die klimaschädliche Steinkohle aus. Ihr Anteil lag nach
       Bahn-Angaben bei 34,5 Prozent. Die Braunkohle hatte 13,1 Prozent, die
       Atomkraft 25,9 Prozent, und das Erdgas 8,6 Prozent.
       
       Komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen sei derzeit kaum möglich, da
       diese nicht ausreichend grundlastfähig seien, so der Bahn-Sprecher. "Die
       Züge können ja nicht nur dann fahren, wenn der Wind weht." Dennoch sei es
       erklärtes Ziel, den Anteil der Erneuerbaren am Strommix der Bahn zu
       erhöhen.
       
       Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann begrüßte den Ökostrom-Tarif der
       Bahn für ihre Geschäftskunden. "Allerdings sehen wir es nicht allein als
       Aufgaben der Kunden an, dass der Bahnstrom-Mix ökologischer wird."
       
       Der derzeitige Anteil erneuerbarer Energien am Bahnstrom liege unter dem
       bundesdeutschen Durchschnitt. Die Bahn müsse zusätzliche erneuerbare
       Energiequellen erschließen. "Solaranlagen auf Bahnhofsdächern und
       Windkraftanlagen auf Bahngelände würden das Öko-Engagement wirkungsvoll
       unterstreichen."
       
       3 Nov 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
       
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