# taz.de -- Kommentar Ressidenzpflicht: Ohne Passierschein nach Berlin
> Für viele waren Verstöße gegen die Ressidenzpflicht eine passende
> Gelegenheit, Asylbewerber zu kriminalisieren und so ihren Aufenthalt hier
> zu erschweren.
(IMG) Bild: Demonstration in Berlin gegen die Ressidenzpflicht.
Die geplante Abschaffung der Residenzpflicht ist ein erfreulicher Einstieg
in die gemeinsame Politik der nun beide rot-rot regierten Nachbarländer
Berlin und Brandenburg.
Die Residenzpflicht zwingt Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge bei
Androhung von Strafe, den ihnen als Aufenthaltsort zugeteilten Bezirk oder
Landkreis nicht ohne behördliche Genehmigung zu verlassen. Als Teil des
Asylverfahrensgesetzes ist sie Bundesrecht.
Gerade in ländlichen Gebieten wie Brandenburg bringt sie oft handfeste
Nachteile: Beratungsstellen oder kompetente FachanwältInnen sind so nur mit
immer wieder einzuholender Erlaubnis erreichbar. Besuche bei bereits in
Deutschland lebenden Freunden und Familienangehörigen oder Anlaufstellen
der Community werden erschwert - und damit genau das Andocken bei
denjenigen, die als integrative Brücke in die Mehrheitsgesellschaft dienen
könnten.
Kein Wunder, dass Verstöße gegen die Residenzpflicht die Mehrzahl der
Rechtsverstöße von Asylbewerbern darstellen. Das kann für diese böse Folgen
haben: Wer auf diese Weise zum "Mehrfachkriminellen" wird, vermasselt sich
als langjährig geduldeter Flüchtling etwa das Recht auf sicheren Aufenthalt
nach der Altfallregelung.
Doch die Folgen der von Flüchtlingsorganisationen als Menschenrechtsverstoß
bewerteten Residenzpflicht kommen manchen auch zupass: Bietet sich ihnen
doch die Möglichkeit, auf die "hohe Kriminalitätsrate" von Flüchtlingen und
Asylsuchern hinzuweisen.
Länder können diese aus Bundesrecht entstehende Schikane durch eigene
Verordnungen aufheben, so das Ergebnis eines juristischen Gutachtens des
Flüchtlingsrates Brandenburg. Schön wäre, wenn andere Länder dem Beispiel
folgten - auf die Abschaffung auf Bundesebene darf derzeit wohl kaum
gehofft werden.
7 Nov 2009
## AUTOREN
(DIR) Alke Wierth
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