# taz.de -- Eltern beeinflussen Bildungssystem: Mamas und Papas rocken die Schulen
> Wo Eltern sich zusammentun, können sie derzeit im Bildungssystem eine
> Menge bewegen. Bisher nutzen vor allem gebildete deutsche Eltern diese
> Chance. Die anderen bräuchten dabei Hilfe, meinen Experten.
(IMG) Bild: Eltern wollen mitbestimmen, was und wie ihre Kinder lernen sollen
"Wir denken darüber nach": Burkhard Entrups Antwort auf die Frage, ob der
Landeselternausschuss Kita (Leak) ein Volksbegehren für mehr Personal in
Schulhorten plant, klingt gelassen. Und Entrup, Vorsitzender des Gremiums,
das die ElternsprecherInnen von Berlins Kitas auf Landesebene vertritt, hat
zu Gelassenheit allen Grund. Denn so vage seine Antwort sein mag: In den
Ohren der Politiker und für die Senatsverwaltung dürfte sie wie eine
Drohung klingen.
Sechs Wochen ist es her, dass der Senat beschloss, gut 70 Millionen Euro
mehr in die Personalausstattung von Kitas zu investieren. Vorangegangen war
dem ein Antrag auf ein entsprechendes Volksbegehren, für den über dreimal
mehr als die eigentlich nötigen 20.000 Unterschriften gesammelt werden
konnten. Betreiber des Begehrens war der Leak.
Er sei froh über den Senatsbeschluss, sagte bei dessen Verkündung Ende
Oktober der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Ein Erfolg des
Begehrens hätte den Senat erheblich mehr Geld gekostet als der mit
Elternvertretern ausgehandelte Kompromiss. "Wir alle wollen bessere Kitas",
sagte der Regierende. Dass das Engagement der Eltern bei dem Entschluss zur
Personalaufstockung "Druck gemacht hat, will keiner bestreiten", so
Wowereit.
Der Kita-Kompromiss ist nicht der einzige Erfolg, den Eltern derzeit feiern
können. Vergangenen Monat gab der Bezirk Steglitz-Zehlendorf der ersten
staatlichen Gemeinschaftsschule grünes Licht - mit den Stimmen von
CDU-Stadträten und dem CDU-Bürgermeister, deren Partei das rot-rote
Schulmodell sonst heftig bekämpft. In Charlottenburg-Wilmersdorf hat zu
Beginn dieses Schuljahres eine staatliche reformpädagogische
Gemeinschaftsschule ihre Tore aufgemacht. Auslöser waren Eltern, die
angekündigt hatten, sonst eine Privatschule aufzubauen. Und in Wedding hat
die Gustav-Falke-Grundschule spezielle Klassen für deutsche und gut Deutsch
sprechende Kinder eingerichtet - auf Druck von Eltern aus dem angrenzenden
Bezirksteil Alt-Mitte.
Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher der Linken im
Abgeordnetenhaus, begrüßt das Engagement der Eltern. "Eltern werden immer
geschickter darin, ihre Interessen durchzusetzen", sagt er. "Es ist in der
Demokratie ja auch nichts Schlimmes, wenn Menschen das können." Zudem
würden manche Anliegen der Eltern - wie etwa das Volksbegehren Kita -
"politisch grundsätzlich geteilt". Ungut sei es dagegen, wenn "bestimmte
Gruppen von Eltern" ihre Ziele auf Kosten anderer durchsetzten. Denn nicht
alle Eltern hätten die gleichen "Möglichkeiten und Kontakte" zur
Artikulierung und Durchsetzung ihrer Anliegen: "Das hat mit Bildung, mit
sozialer Stellung zu tun", so Zillich.
Bislang sind es tatsächlich vor allem gut ausgebildete, bildungsorientierte
und deutsche Eltern, die ihre Ziele durchsetzen können. Eltern, die über
diese Basis und die nötigen Kompetenzen nicht verfügten, bräuchten mehr
Unterstützung, meint Remzi Uyguner, Mitglied im Bezirkselternausschuss
Friedrichshain-Kreuzberg. Er beobachtet auch bei Eltern nichtdeutscher
Herkunft zunehmend den Wunsch, mitzureden: "Aber viele trauen sich das
nicht zu."
Projekte für Eltern mit Problemen wie Arbeitslosigkeit oder schlechten
Deutschkenntnissen gebe es zwar viele: "Doch die behandeln oft Themen wie
gesunde Ernährung, Erziehung oder Medienkonsum", sagt Uyguner. Er wünsche
sich mehr Projekte, die "Eltern nicht deutscher Herkunft dabei
unterstützen, ihre politischen Forderungen zu formulieren und dafür
einzustehen".
9 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Alke Wierth
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