# taz.de -- Journalistin bekommt Mordrohungen: Gefährliches Erbe
       
       > Die weißrussische Journalistin Irina Chalip bekommt erneut Morddrohungen.
       > Der Verdacht fällt auf den russsichen Geheimdienst KGB.
       
 (IMG) Bild: Wird bedroht: Die weissrussische Journalistin Irina Chalip zusammen mit Peter Scholl-Latour (l) und dem US-Journalisten Carl Bernstein (r) bei der Verleihung des Henry-Nannen-Preises 2005.
       
       BERLIN taz | Unbequeme Veröffentlichungen können in Weißrussland tödlich
       enden. Das bekommt dieser Tage auch Irina Chalip zu spüren. Am 22. November
       hatte die Minsk-Korrespondentin der oppositionellen Moskauer Zeitung Nowaja
       Gaseta ihrer Redaktion ein Manuskript zukommen lassen. Einen Tag später
       erhielt die 42-Jährige eine E-Mail. "Wenn du deinen Artikel nicht
       zurückziehst, wirst du bald Anna Politkowskaja treffen!" - die russische
       Journalistin und Mitarbeiterin der Nowaja Gaseta war im Oktober 2006 vor
       ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Mit einem anonymen Anruf wurde
       Chalip am 25. November davor gewarnt, im Fall einer Veröffentlichung ihre
       Wohnung zu verlassen. Einen Tag später kam ein Telegramm: Chalip solle beim
       Schreiben an ihren Sohn denken.
       
       In "Krieg um das Erbe des Oligarchen", dem Beitrag, der Chalip die
       Todesdrohung einbrachte, geht es um die Hinterlassenschaft des 2008
       verstorbenen Georgiers Badri Patarkatsischwili. Der milliardenschwere
       Geschäftsmann hatte 160 Millionen US-Dollar in die weißrussische staatliche
       Ölfirma Belneftekhim investiert und besaß Anteile an der verarbeitenden
       Holzindustrie in Weißrussland. Glaubt man Chalips Recherchen, interessiert
       sich für den Nachlass neben Weißrusslands Staatsspitze auch der im Londoner
       Exil lebende russische Oligarch Boris Beressowski.
       
       Im März 2008 reiste der US-Anwalt Emmanuel Zeltser nach Minsk, um die
       Interessen eines Verwandten des Georgiers in Sachen Erbschaft wahrzunehmen.
       Nach seiner Ankunft wurde er vom weißrussischen Geheimdienst KGB verhaftet
       und unter dem Vorwurf, Dokumente gefälscht zu haben, zu drei Jahren Haft
       verurteilt. Im Juli 2009 wurde Zeltser durch Präsident Alexander
       Lukaschenko begnadigt und kam frei.
       
       Irina Chalip ist sich sicher, dass der KGB hinter den
       Einschüchterungsversuchen steht. Einige der dort genannten Details wiesen
       eindeutig darauf hin, dass ihre gesamte Kommunikation abgehört und
       abgefangen werde. Über eine entsprechende Logistik verfüge jedoch nur der
       Geheimdienst, sagte sie in einem Interview mit der weißrussischen
       Menschenrechtsorganisation Charter 97.
       
       Irina Chalip, die seit 15 Jahren als Journalistin vor allem zum Thema
       Menschen- und Bürgerrechte arbeitet, gerät nicht zum ersten Mal ins Visier
       der autoritären Staatsmacht. Mehrmals nahm die Polizei sie fest, verhörte
       und misshandelte sie.
       
       Die US-Menschenrechtsorganisation Committee to Protect Journalists hat
       jetzt die weißrussische Regierung aufgefordert, die für die Drohungen gegen
       Chalip Verantwortlichen dingfest zu machen und sie für ihre Taten
       gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen - ein Appell, der folgenlos bleiben
       dürfte.
       
       Irina Chalip ist fest entschlossen, sich dem Druck auch weiter zu
       widersetzen. Und: "Leute, bleibt nicht in euren Küchen sitzen!", sagte sie
       in dem bereits zitierten Interview. "Das hat noch niemandem genützt."
       
       14 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
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