# taz.de -- Kommentar Taliban: Geld allein lindert keinen Hass
> Für ein paar Dollar im Monat sprengen Studenten und einfache Dorfbewohner
> kaum afghanische Polizisten oder westliche Soldaten in die Luft. Ein
> bisschen Hass gehört schon dazu.
(IMG) Bild: Das Militär allein, wie hier die Briten bei einer Landung in einer afghanischen Provinz, wird die Taliban nicht unter Kontrolle bekommen.
Auch Deutschland unterstützt nun das neue Programm der afghanischen
Regierung zur Reintegration reuiger Talibankämpfer. Doch so wichtig jeder
nichtmilitärische Ansatz in Afghanistan ist - die Geburtsfehler dieses
Programms dürfen nicht übersehen werden.
Schon die Annahme, man könne die Aufständischen fein säuberlich in
ideologisch oder wirtschaftlich motiviert trennen, ist zu einfach. Zu
glauben, viele Kämpfer könnten mit materiellen Anreizen überzeugt werden,
die Seite zu wechseln, greift zu kurz – so simpel sind ihre Motive nicht.
Für ein paar Dollar im Monat sprengen Studenten und einfache Dorfbewohner
kaum afghanische Polizisten oder westliche Soldaten in die Luft. Ein
bisschen Hass gehört schon dazu. Woher der kommt, ist bekannt: etwa daher,
dass eine vom Ausland gestützte korrupte Regierung Machthaber auf lokaler
Ebene schützt, die zum Teil äußerst brutal ganze soziale Gruppen von
Mitsprache und Ressourcen fernhalten.
Solche Kämpfer sind kaum der Meinung, dass sie sich auf dem "falschen Weg"
befinden. Von ihnen zu verlangen, die Waffen niederzulegen und die
afghanische Verfassung anzuerkennen, läuft in ihren Augen auf die
Kapitulation vor einer korrupten Regierung hinaus. Problematisch ist auch,
dass das Programm indirekt Gewaltausübung belohnt. Jene, die gar nicht erst
in die Berge gegangen sind, werden nicht begeistert sein.
Ohne eine echte Reform des afghanischen Regierungssystems wird das
Reintegrationsprogramm scheitern. Bei einer Milliarde Dollar, die dafür in
Aussicht stehen, leuchten in Kabuls Führungsetagen manche Augen schon
erwartungsvoll auf.
24 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
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