# taz.de -- Afghanistan-Konferenz: Mehr Aufgaben für Kabul
> Bei der Afghanistan-Konferenz in London werden Sicherheit,
> Regierungsführung und Entwicklung sowie regionale Unterstützung
> verhandelt. Ein Überblick.
(IMG) Bild: Hamid Karsai bei einer Pressekonferenz am 26.01.2010.
BERLIN taz | Die Außenministerkonferenz in London, eine Initiative von
Deutschland, Frankreich und Großbritannien, ist das erste große Treffen
nach der Ankündigung einer Truppenaufstockung durch US-Präsident Obama im
Dezember. Obama versprach weitere 30.000 Soldaten.
Nach den gefälschten afghanischen Präsidentschaftswahlen drang er aber auch
auf eine schnellere Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Kräfte.
In London wollen sich 70 Delegationen über ihr Vorgehen verständigen, was
zumindest proklamatorisch eine Unterstützung der USA bedeuten dürfte. "Wir
wollen, dass die Londoner Konferenz ein Wendepunkt in der Entwicklung
Afghanistans wird", erklärte gestern Außenminister Guido Westerwelle.
Die eintägige Londoner Konferenz hat nach Angaben des britischen
Außenministeriums drei Haupttagesordnungspunkte: Sicherheit,
Regierungsführung und Entwicklung sowie regionale Unterstützung.
Zum ersten Punkt gehört eine Verständigung über Kriterien und Zeitpläne für
die Übergabe der Verantwortung an Kabul, dass klare Etappen benannt werden
für die schrittweise Übergabe der Sicherheitsverantwortung an Afghanistan.
Daneben geht es um Zusagen und Konzepte für eine verstärkte Ausbildung des
afghanischen Militärs und von Polizisten sowie um eine weitere Aufstockung
der internationalen Truppen jenseits des US-Militärs. Hier wird von 6.000
bis 7.000 Soldaten ausgegangen.
Zudem geht es um ein international finanziertes Aussteigerprogramm für
Taliban-Mitläufer von etwa 500 Millionen US-Dollar für die nächsten fünf
Jahre. Hierfür soll ein zusammen von Kabul und der internationalen
Gemeinschaft verwalteter Fonds eingerichtet werden. Da in London auch
Entscheidungen über den künftigen UN-Sonderbotschafter wie über einen
geplanten Zivilkoordinator der Nato fallen, dürfte es auch um deren
Mitsprache beim Fonds gehen.
Beim Punkt Regierungsführung werden klare Schritte von Kabul erwartet, wie
es die Korruption bekämpfen will. Präsident Hamid Karsai dürfte zudem unter
Druck geraten, den als Armeechef vorgesehenen usbekischen Warlord Abdul
Raschid Dostum wegen Menschenrechtsverletzungen nicht zu benennen. Zudem
geht es um die Koordination der Entwicklungshilfe, die wegen der
Aufstandsbekämpfung verstärkt wurde, und eine auch hier angestrebte größere
afghanische Mitsprache.
Die geringsten Fortschritte dürfte es bei der regionalen Unterstützung
geben. Laut der iranischen Agentur Irna ist eine Teilnahme Teherans
unwahrscheinlich, da die Konferenz nicht in der Lage sei, die Probleme zu
lösen. Auch hat Pakistan bisher nicht erkennen lassen, künftig verstärkt
gegen afghanische Taliban vorgehen zu wollen.
26 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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