# taz.de -- Palästinensische Protestler: EU-Diplomaten zeigen Flagge
> Aus Sorge um den gewaltfreien Protest im Westjordanland besuchen
> europäische Diplomaten das Dorf Nilin. Rund 130 Palästinenser sind seit
> Beginn der Proteste verhaftet worden.
(IMG) Bild: Palästinensischer Demonstrant in Nilin
JERUSALEM taz | Die internationale Solidarität mit dem palästinensischen
Städtchen Nilin wird größer. 15 europäische Diplomaten besuchten in dieser
Woche den Grenzort, in dem wöchentlich Protestveranstaltungen gegen die von
Israel errichteten Trennanlagen stattfinden. Die EU-Vertreter, darunter
auch deutsche Diplomaten, wollten damit ihrem Unbehagen Ausdruck geben
gegenüber dem israelischen Vorgehen, friedliche Demonstranten auf
unbestimmte Zeit hinter Gitter zu schicken. "Wir sehen nicht, was man den
Inhaftierten vorwerfen kann", kommentierte ein Diplomat.
Rund 130 Palästinenser sind seit Beginn der Proteste in Nilin verhaftet
worden, die letzten zehn erst zu Wochenbeginn. Ähnlich wie in dem kaum zehn
Kilometer entfernt liegenden Dorf Bilin, wo der friedliche Protest gegen
die Mauer vor fünf Jahren seinen Anfang nahm, unternimmt die Armee
verschärfte Maßnahmen gegen die Bevölkerung.
Nächtliche Razzien und Verhaftungen, meist unter dem Vorwurf der
Volksverhetzung, gehören zum Alltag. Die unerschütterlichen Demonstranten,
die mit Unterstützung israelischer "Anarchisten gegen die Mauer" und der
"Internationalen Solidaritätbewegung" zum Vorbild für andere
palästinensische Grenzorte werden, zermürben die Besatzungstruppen.
Trotz der strikt gewaltlosen Demonstrationen vor allem in Bilin kommt es
fast jeden Freitag zum Einsatz von Tränengas, das oft mit stinkenden
Chemikalien versetzt ist. In beiden Orten gab es im vergangenen Jahr Tote.
In Bilin und Nilin, wo Jugendliche auch schon mal Steine werfen, wurden
seit Beginn der Demonstrationen fünf Menschen bei Armeeeinsätzen getötet,
zehn Palästinenser erlitten bleibende körperliche Schäden.
Der Protest der Palästinenser richtet sich besonders gegen den Verlauf der
Anlagen. In Nilin wurde die Hälfte der Landgüter aus privatem
palästinensischen Besitz enteignet, um darauf die Trennanlagen oder
israelische Siedlungen zu errichten. Nicht viel anders sieht es in Bilin
aus, wo man bis heute vergeblich auf die Umsetzung eines Urteils des
Obersten Israelischen Gerichtshofs wartet, der eine Verlegung der
Trennanlagen verfügte.
Aus Solidarität mit dem Protest gegen Trennzaun- und Mauer haben zwei
dänische Finanzgruppen den Boykott gegen israelischer Unternehmen
angekündigt, die an dem Bau der Grenzanlagen beteiligt sind. Die Danske
Bank sowie die Pensionskasse PKA Ltd. wollen in Zukunft nicht mehr mit der
Firma Elbit Systems und mit der Africa Israel Investments kooperieren.
Elbit liefert elektronische Warnsysteme für die Trennanlagen. Bereits im
vergangenen September hatte die norwegische Regierung ihre Zusammenarbeit
mit Elbit beendet.
27 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Susanne Knaul
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