# taz.de -- Moorburgtrasse: Vattenfall gesprächsbereit
       
       > Umweltstaatsrat Christian Maaß möchte nach Alternativen zur Fernwärme aus
       > dem Kohlekraftwerk suchen. Bäume werden erst nach dem Gerichtsentscheid
       > gefällt.
       
 (IMG) Bild: Wachsender Widerstand: Die AnwohnerInnen des Luna-Parks lassen sich Mut zusprechen.
       
       Die Schleifen sind ein schlechtes Zeichen: Um jeden der bedrohten Bäume am
       Lunapark in Altona Nord haben die AnwohnerInnen ein blaues Band gewunden.
       Sechs zum Teil stattliche Exemplare könnten der geplanten Fernwärmeleitung
       aus dem Kohlekraftwerk Moorburg zum Opfer fallen, befürchten sie. Die
       Trasse würde direkt vor ihrem Gelbklinker-Mietshaus vorbeiführen. Um sich
       dagegen zu wehren, haben sie den kleinen Park zur "Schutzzone" erklärt.
       
       Ihr Protest richtet sich nicht nur gegen die Fällungen, sondern auch gegen
       das geplante Kohlekraftwerk, das doppelt so viel CO2 in die Luft bläst wie
       Bolivien. "Wir solidarisieren uns mit den Baumbesetzern im Gählerpark",
       sagt Heike Breitenfeld, während sie Kuchenstücke auf einem Behelfstisch
       anrichtet. Ihre Initiative hat am Sonntagnachmittag zum Glühweintrinken
       eingeladen - auch um einem Defizit abzuhelfen: Bisher habe niemand die
       Anwohner darüber unterrichtet, was vor ihrer Tür geplant sei. "Wir sind
       informiert, weil wir uns selbst informieren", sagt Breitenfeld. Das
       Ergebnis steht auf Flugblättern.
       
       Drei Tage vorher, am Donnerstagabend, hatte sich der Kraftwerksbetreiber
       Vattenfall in Gestalt seiner Pressesprecherin Sabine Neumann einer
       Podiumsdiskussion gestellt. Das Ergebnis könnte diejenigen, die sich gegen
       die Fernwärmetrasse durch Altona und gegen das Kohlekraftwerk engagieren,
       milde hoffnungsvoll stimmen: Vattenfall werde erst zu fällen beginnen, wenn
       eine Beschwerde des Umweltverbandes BUND gegen die Trassenplanung
       entschieden sei, versprach Neumann.
       
       Sie ging auf den grünen Umweltstaatsrat Christian Maaß zu, der
       vorgeschlagen hatte, über Alternativen zu einer Fernwärmeversorgung aus
       Moorburg nachzudenken. "Wir kommen gerne auf das Gesprächsangebot des
       Senats zurück", sagte Neumann.
       
       Das Auskoppeln von Fernwärme aus dem Kraftwerk Moorburg geht auf einen
       Wunsch des Senats aus Zeiten der CDU-Alleinregierung zurück. Die Moorburger
       Fernwärme sollte jene aus dem veralteten Kohlekraftwerk Wedel ersetzen. Für
       die Fernwärme würde ein Teil der Abwärme des Kraftwerks benutzt: Dadurch
       würde die Energie der in Moorburg verbrannten Steinkohle besser ausgenutzt
       und die Umgebung des Kraftwerks weniger stark aufgeheizt, etwa die Elbe.
       
       Doch die Fernwärme aus Moorburg passt nicht ins Konzept des schwarz-grünen
       Senats: "Aus Gesichtspunkten des Klimawandels wäre ein Verzicht auf die
       Fernwärmetrasse und der Aufbau einer dezentralen und kohlenstoffärmeren
       Wärmeversorgung am sinnvollsten", sagt Staatsrat Maaß. Leider habe
       Vattenfall seinen Antrag auf Genehmigung der Fernwärmeleitung
       aufrechterhalten.
       
       Den Senat stört an der Moorburger Fernwärme, dass sie so heiß ist, dass sie
       sich nicht mit der Wärme aus erneuerbaren Quellen verträgt. Die Fernwärme
       wäre auf Jahrzehnte hinaus an Moorburg gekoppelt. Der Senat befürchtet, so
       sein Klimaziel - minus 80 Prozent CO2 bis 2050 - nicht einhalten zu können.
       Wie stark die Effizienz Moorburgs ohne Fernwärmeauskoppelung sinken würde,
       ist laut Umweltbehörde umstritten.
       
       31 Jan 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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