# taz.de -- Glatteis: Der Norden am Boden
       
       > Die Krankenhäuser verzeichnen immer mehr Knochenbrüche und Prellungen
       > wegen Stürzen auf glatten Wegen. Städten und Gemeinden geht derweil das
       > Streusalz aus
       
 (IMG) Bild: Wer barfuß läuft stürzt weniger: Das stimmt zumindest auf diesem Bild.
       
       Die Fußgänger klammern sich an Zäunen fest, sie stützen sich gegenseitig
       und stolpern unbeholfen auf wackeligen Beinen vorwärts. Bloß nicht stürzen,
       scheint das oberste Ziel zu sein. Trotzdem müssen die Krankenhäuser im
       Norden derzeit fast doppelt so viele Knochenbrüche und Prellungen
       versorgen, wie sonst zu dieser Jahreszeit. Denn viele Fußgänger oder
       Radfahrer stürzen wegen der anhaltenden Glätte. Das spüren auch die
       Krankenkassen deutlich.
       
       Wenn ihre Versicherten sich verletzt haben, weil sie an einer Stelle
       gestürzt sind, an der nicht richtig geräumt oder gestreut wurde, ermitteln
       die Krankenkassen den Verantwortlichen und stellen diesem die
       Behandlungskosten in Rechnung. Die Eigentümer sind über das Räumen der
       Gehwege hinaus auch dafür zuständig, die Gefahr durch herabstürzenden
       Eiszapfen oder Schneeplatten auf den Dächern zu entschärfen. Auch hier hat
       jemand der verletzt wird einen Anspruch auf Schadensersatz, sagt Eve
       Raatschen vom Verein Mieter helfen Mietern.
       
       Doch vielerorts geht das Streusalz aus. In den meisten Orten und
       Landkreisen werden nur noch die wichtigsten Straßen, Kreuzungen und Kurven
       gestreut. Auch wird das Salz schon mit Splitt oder Sand gemischt.
       Allerdings ist Streusalz die beste Möglichkeit zur Enteisung der Straßen,
       sagt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung Hamburg. Denn weder Sand noch
       Splitt könnten den Schnee auftauen und man brauche die zehnfache Menge.
       "Außerdem sieht der Splitt auch nicht gut aus, zerkratzt den Lack der Autos
       und wenn er auf den Straßen liegen bleibt und zermahlen wird, steigt die
       Feinstaubbelastung", erklärt Fiedler.
       
       In Hamburg verzögern sich die Salzlieferungen bereits. Erst ab dem 16.
       Februar werden die Schiffe mit Salznachschub erwartet. "Die Lage ist sehr
       angespannt und wir hoffen, dass das Wetter nicht wieder schlimmer wird",
       sagt Fiedler.
       
       In Niedersachsens Landeshauptstadt und auch in der Region Hannover macht
       man sich hingegen kaum Sorgen. "Wir haben noch genug Salz", sagt der
       Pressesprecher der Region Hannover, Klaus Abelmann. Gestern habe man zwar
       kurz Probleme mit dem Busverkehr gehabt, aber mittlerweile liefe alles
       wieder nach Plan.
       
       Für Montag ruft die Gewerkschaft Ver.di zu bundesweiten Streiks der
       Angestellten und im öffentlichen Dienst auf. Davon sind auch die
       Stadtreinigungen betroffen. Dennoch sieht Abelmann der Arbeitsniederlegung
       ziemlich gelassen entgegen: "Sonntagnacht wird entschieden, ob die
       Räumdienste ausrücken müssen. Wenn es schlimm wird, wird trotz Streik
       geräumt."
       
       Mancherorts musste in den letzten Tagen sogar die Schule ausfallen. In
       einigen Städten in Niedersachsen fand am Mittwoch kein Unterricht statt. In
       Kiel sind erst seit heute die Schulen wieder geöffnet.
       
       Freuen können sich die Reeder: Auf der Norderelbe heißt es seit gestern
       wieder: "Freie Fahrt!". Die Hafenbehörde Hamburg Port Authority gab den
       Bereich Billwerder Bucht bis zur Bunthäuser Spitze wieder frei. Er war seit
       dem 29. Januar nicht mehr befahrbar.
       
       4 Feb 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Frankenberger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Hamburg
       
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