# taz.de -- KOMMENTAR POLIZEIGEWALT: Grüner Senator muss einschreiten
> Nicht mal unter CDU-Hardlinern hat es sowas gegeben - umso mehr muss ein
> grüner Justizsenator handeln
(IMG) Bild: Wollen eigentlich nur spielen: Hamburger Polizisten mit ihren liebsten Kollegen. Wenn sie mal zuschlagen, muss es schon gute Gründe geben.
Dass in Hamburg 99 Prozent der Anzeigen gegen Polizisten wegen
Körperverletzung im Amt im Sande verlaufen, ist statistisch belegt und
nicht neu: entweder stellt die Staatsanwaltschaft die Verfahren ein oder
kann den Prügelpolizisten nicht ermitteln. Auch gehört es zum Repertoire
anwaltlicher Erfahrung, dass jemand, der einen Polizisten anzeigt, mit
einer Retourkutsche rechnen muss.
Die neue Masche allerdings, nach der die Abteilung für Beamtendelikte der
Hamburger Staatsanwaltschaft jetzt vorgeht, löst Entsetzen aus - nicht nur
in Juristenkreisen. Denn eine Anzeige wegen falscher Anschuldigung wird
jeden, der das Opfer polizeilicher Gewalt geworden ist, davon abschrecken,
das polizeiliche Handeln im Nachhinein überprüfen zu lassen.
Wohlgemerkt: Es ist nicht der Hamburgs konservativer Innensenator, der sich
diesen Trick zum Schutz übergriffiger Beamten einfallen ließ - sondern die
Staatsanwaltschaft, die sich ja eigentlich für Rechtsstaatlichkeit
einsetzen sollte. Noch befremdlicher macht die Sache, dass sich derlei
unter der Regentschaft des grünen Justizsenator Till Steffen zuträgt. Nicht
mal unter seinen CDU-Hardliner-Amtsvorgängern Roger Kusch und Carsten
Lüdemann hat es eine solche Praxis gegeben.
Also: Handeln Sie, Herr Steffen - und stellen sie diese Praxis wieder ab.
8 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Kai von Appen
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