# taz.de -- Monatelanger Streit beendet: Regierung und Vertriebene einigen sich
> Nach langem Streit erhalten die Vertriebenen im Stiftungsrat des
> geplanten "Vertriebenenmuseum" mehr Einfluss. Dafür verzichtet ihre
> Chefin auf einen Sitz.
(IMG) Bild: Gewinn durch Verzicht: Erika Steinbach.
Das sah schon nach einem kleinen Triumphzug aus. Eskortiert von zwei
Juristen ihres Verbandes schritt Erika Steinbach, gekleidet in einem
schwarzen Pelz, am Donnerstag um 14.12 Uhr die 24 grauen Steinstufen der
Freitreppe zum Glaspavillion der Bundespressekonferenz hinauf. Um Dutzenden
Journalisten und neun Kamerateams zu verkünden: Sie habe als Präsidentin
des Bundes der Vertriebenen (BdV) nach Monaten des Streits mit der
Regierungskoalition vereinbart, wie zukünftig der Stiftungsrat der
umstrittenen Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" zu besetzen sei.
Um die sogenannte Vertriebenenstiftung in Erinnerung an die Flucht und
Vertreibung auch der Deutschen nach dem Weltkrieg hat es seit Jahren
heftiges Gerangel innerhalb der schwarz-gelben Koalition und mit der
polnischen Regierung gegeben. BdV-Chefin Steinbach hatte 1991 die polnische
Westgrenze, die Oder-Neiße-Linie, als endgültige deutsch-polnische Grenze
im Bundestag abgelehnt. Deshalb gehört Steinbach in Polen zu den
bekanntesten und unbeliebtesten deutschen Politikern - erst recht, als der
BdV ankündigte, sie in den Stiftungsrat entsenden zu wollen. Die Stiftung
soll ein Vertriebenenmuseum im "Deutschlandhaus" am Anhalter Bahnhof in
Berlin aufbauen.
Eine Entsendung Steinbachs in den Stiftungsrat aber lehnte Außenminister
Guido Westerwelle (FDP) mit Rücksicht auf Polen seit Monaten entschieden
ab. Er hatte sein Veto im Kabinett gegen ihre Besetzung angekündigt.
Deshalb gab es von Anfang an eine ordentliche Krise in der noch jungen
schwarz-gelben Koalition. Bei einem Treffen der Fraktionsspitzen von
CDU/CSU und FDP mit Steinbach gelang es am Donnerstag nun, einen Kompromiss
in diesem Streit zu finden.
Und den konnte Steinbach vor der versammelten Hauptstadtpresse nun so
zusammen fassen: Der BdV kann seine Sitzzahl im Stiftungsrat von drei auf
sechs verdoppeln. Die Ausstellungsfläche wird von 2.200 auf 3.000
Quadratmetern vergrößert. Vor allem aber wird künftig nicht mehr das
Kabinett die Mitglieder des Stiftungsrates absegnen, sondern der Bundestag
mit absoluter Mehrheit. Im Gegenzug kündigte Steinbach an, sich "definitiv"
nicht mehr für den Stiftungsrat benennen zu lassen - weder jetzt noch in
Zukunft.
Steinbach zeigte sich über diesen einstimmig gefassten Beschluss "sehr
zufrieden". Es habe da weder Gewinner noch Verlierer gegeben. Auch das
BdV-Präsidium habe den Kompromiss schon gebilligt. Nun müssen noch die
Fraktionen der Koalition zustimmen, damit ein verändertes Stiftungsgesetz
verabschiedet werden kann.
In einer ersten Reaktion begrüßte Außenminister Westerwelle die Einigung:
"Dass künftig der Deutsche Bundestag die Mitglieder des Stiftungsrates
wählt, gewährleistet einerseits die Beachtung außenpolitischer Belange und
schafft andererseits Transparenz", erklärte er. Der CDU-Generalsekretär
Hermann Gröhe lobte: "Alle Beteiligten haben zum Wohle der Stiftung und
damit zum Erfolg dieses wichtigen Projekts der Erinnerung und Aussöhnung
beigetragen."
Die Opposition kritisierte dagegen den Kompromiss scharf. "Es ist ein
Skandal, dass die Bundesregierung sich von Frau Steinbach erpressen lässt",
sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Angelica Schwall-Düren, die Mitglied im
Stiftungsrat ist. Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luc
Jochimsen, bezeichnete den Kompromiss als nicht hinnehmbar.
Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche, Petra Bahr, sagte als
Mitglied des Stiftungsrates der taz: Es sei erfreulich, dass der Streit nun
beigelegt sei und die Arbeit beginne könne, ohne dass die Substanz der
Stiftung angetastet sei. "Aus einem schlanken Schiffchen ist ein schwerer
Tanker geworden, mit dem man aber durch schwere See fahren kann."
11 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Philipp Gessler
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