# taz.de -- Kommentar Mordanschlag in Dubai: Kollateralschäden, temporär
> Sollte Israel hinter dem Mordanschlag stecken, werden sich die
> Beziehungen mit Großbritannien abkühlen. Doch für Israel genießt der
> Schutz der Bevölkerung Priorität.
Der Zorn der Regierung in London über den Missbrauch von Pässen britischer
Staatsbürger ist verständlich, aber temporär. Sollte tatsächlich der Mossad
hinter dem Mordanschlag auf Mahmud al-Mabhuh stecken, dann werden sich die
diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel für eine
Weile abkühlen. Entscheidend für das bilaterale Verhältnis ist jedoch weder
der Schachzug der Geheimagenten, die unbescholtene Bürger für ihren Auftrag
benutzten, noch das Schicksal eines Hamas-Aktivisten, dem auch in London
kaum jemand eine Träne nachweinen wird.
Die israelischen Sicherheitsdienste interessiert es nicht, wie das Ausland
auf ihre Operationen reagiert. Ausschlaggebend für den Startschuss zur
Mission sind einzig strategische Überlegungen. Bei Exekutionen oder
Entführungen ist es die Frage der Machbarkeit und der nach möglichen
Gefahren für Unschuldige. Regierungschef Benjamin Netanjahu, der sein Okay
zu einer Mossad-Operation dieser Größenordnung geben musste, sieht das
ähnlich. Der Schutz der eigenen Bevölkerung genießt höchste Priorität,
besonders im Fall eines mutmaßlichen Hamas-Waffeneinkäufers wie Mabhuh.
Natürlich hätte es Netanjahu vorgezogen, wäre der Pässe-Klau nicht
aufgeflogen. Die Schlamperei des Geheimdienstes gehört zum Betriebsrisiko.
Solange die Mission erfüllt ist und die eigenen Agenten wieder sicher zu
Hause sind - noch dazu ohne dass es zu Kollateralschäden gekommen wäre -,
bleibt der Rest hinnehmbar. Israel stand schon im diplomatischen Abseits,
lange bevor das Killerkommando seinen Auftrag bekam. Der Krieg in Gaza und
die Weigerung Israels, auf den Siedlungsbau in Ostjerusalem zu verzichten,
sind Dauerthemen für Netanjahu, wenn er die internationale Bühne betritt.
Sobald das Gespräch auf die iranische Atombedrohung kommt, bleiben die
Fronten von Freund und Feind trotz aller Dissonanzen doch weiter
unverrückbar.
19 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Susanne Knaul
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