# taz.de -- Erdbeben in Haiti: Bis zu 300.000 Tote befürchtet
> Beim Erdbeben in Haiti sind laut Präsident René Préval bis zu 300.000
> Menschen ums Leben gekommen. Experten glauben jedoch, dass sich die
> tatsächliche Zahl der Todesopfer nie ermitteln lassen wird.
(IMG) Bild: Wie viele Leichen noch unter den Trümmern liegen, kann nur geschätzt werden.
CANCÚN dpa | Die Zahl der Toten beim Erdbeben in Haiti hat sich nach
jüngsten Angaben der Regierung erneut erhöht. Es seien am 12. Januar
möglicherweise bis zu 300.000 Menschen ums Leben gekommen, sagte Haitis
Präsident René Préval am Sonntag bei einem Treffen der Karibikstaaten bei
Cancún in Mexiko. Er bat die internationale Gemeinschaft angesichts der
verheerenden Zerstörung erneut um Hilfe. Haiti müsse nicht nur wieder
aufgebaut, sondern neu gegründet werden, sagte Préval.
Nach dem Beben, das die Hauptstadt Port-au-Prince und deren nähere Umgebung
zerstörte, seien mehr als 200.000 Leichen eingesammelt worden. Unter den
Trümmern Hunderter von Gebäuden, darunter Schulen und
Universitätsinstituten, befänden sich noch zahlreiche Tote. Es sei deshalb
möglich, dass bis zu 300.000 Menschen insgesamt zu Tode gekommen sein
könnten, argumentierte Préval, ohne die hohe Zunahme weiter zu erläutern.
Bisher lautete die Sprachregelung der Regierung, dass 217.000 Tote geborgen
und unter den Trümmern noch viele Leichen verschüttet seien. Experten sind
der Meinung, dass sich die tatsächliche Zahl der Todesopfer nie ermitteln
lassen wird.
Préval sprach zu Beginn des großen Gipfeltreffens von 32 Staaten
Lateinamerikas und der Karibik bei Cancún an der mexikanischen
Karibikküste, zu dem am Sonntag deren Präsidenten angereist waren. Bei dem
Treffen am Montag und Dienstag wollen die Staaten Maßnahmen zu einer
größeren Einheit beraten. Neben Haiti dürfte auch Honduras im Zentrum der
Beratungen stehen. Honduras, dessen damaliger Präsident Manuel Zelaya im
vergangenen Jahr gestürzt worden war, ist bei dem Treffen als einziges Land
nicht vertreten.
"Internationale Treffen müssen nun sehr rasch bestimmen, wie die Hilfe
aussehen soll", forderte Préval. "Und es muss auch festgelegt werden, was
für den Wiederaufbau Haitis aufgebracht werden muss." Haiti werde sein
eigenes Programm vorlegen, wenn derartige Konferenzen stattfänden. Das Ziel
müsse sein, ein Land zu schaffen, das gerechter sei und das seine Mittel
nicht nur in der Hauptstadt konzentriere, wo die wirtschaftlichen und
politischen Eliten wohnten.
Bei dem Erdbeben sind Schätzungen zufolge 60 Prozent der Bauten in der
Hauptstadt zerstört oder so schwer beschädigt worden, dass sie abgerissen
werden müssen. Bei einem Treffen mit der chilenischen Präsidentin Michelle
Bachelet zuvor in Haiti, sagte Préval, von 1,2 Millionen Obdachlosen seien
bisher nur 300.000 in neuen Zelten der internationalen Hilfsorganisationen
untergekommen. 900.000 lebten weiterhin unter schwierigen Bedingungen in
den wilden Obdachlosenlagern, die in der ganzen Stadt nach der Katastrophe
entstanden waren.
Ursprünglich hatte die Regierung geplant, möglichst viele Obdachlose in
mehreren großen Camps außerhalb der Stadt unterzubringen, um vor allem das
Zentrum abreißen und neu aufbauen zu können.
22 Feb 2010
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