# taz.de -- Negativ-Preis wegen Stromeinkauf: Regierung killt das Klima
> Das Wirtschaftsministerium ist der "unfairste öffentliche Auftraggeber",
> weil es umweltschädlichen Strom einkauft. Auch die Bahn erhält einen
> Preis: Sie beutet osteuropäische Arbeiter aus.
(IMG) Bild: Dreckige Elektrizität: Viele Ministerien kaufen beim RWE-Konzerns, der Braunkohle verstromt
Das Bundeswirtschaftsministerium und die Deutsche Bahn erhalten eine
Negativ-Auszeichnung als "unfairste öffentliche Auftraggeber".
Preisverleiher ist das [1][Cora-Netzwerk], ein Bündnis aus gut 40
Gewerkschaften, Umwelt- und Sozialverbänden wie Attac, Verdi und
Greenpeace.
Gewürdigt werden soll "das unsoziale und ökologisch schädliche Wirken der
öffentlichen Hand bei der Vergabe von Aufträgen", so Sarah Bormann von der
entwicklungspolitischen Organisation Weed.
Die taz hatte im vergangenen Jahr [2][exklusiv berichtet], dass das
Wirtschaftsmininsterium genau wie die meisten anderen Mininsterien und das
Kanzleramt besonders billigen Strom aus dem RWE-Konzern einkaufen. Dessen
Produktion verursacht 674 Gramm CO2 pro Kilowattstunde – der
Bundesdurchschnitt liegt bei 541 Gramm.
"Das ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch kurzsichtig", kritisiert
Katrin Ansel von der Umweltorganisation Germanwatch. Die Regierung müsse
die deutsche Vorreiterschaft bei klimaschonender Technik durch ihren
eigenen Einkauf fördern.
Die Bahn erhielt den Preis, weil sie "osteuropäische Arbeiter im Berliner
Umland unter skandalösen Bedingungen zur Schneeräumung eingesetzt hat", so
die DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke. Die Arbeiter hätten Hungerlöhne
erhalten, Sicherheitsbestimmungen seien verletzt worden.
Die Bahn habe die Dienstleistung an externe Unternehmen vergeben, "ohne
dass kontrolliert wird, wer letztlich vor Ort die Arbeiten ausführt", so
Zinke. Dies sei für die öffentliche Hand doppelt teuer: Erstens erhalte sie
eine schlechte Leistung. Zweitens seien die unterbezahlten Arbeitnehmer
jetzt oder spätestens im Rentenalter auf ergänzende Sozialleistungen
angewiesen.
Öffentliche Auftraggeber wie der Bund, die Länder und Gemeinden, aber auch
die dem Staat gehörenden Unternehmen wie die Bahn kaufen pro Jahr Waren und
Dienstleistungen im Wert von rund 250 Milliarden Euro ein. Das entspricht
rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Die Einkäufer müssen sich dabei an die Vorgaben des Vergaberechts halten,
damit der Einkauf wirtschaftlich ist, damit kein Unternehmen benachteiligt
oder bevorzugt wird und damit Korruption vermieden wird. In der Regel gibt
es bei größeren Einkäufen eine öffentliche, europaweite Ausschreibung, bei
denen alle Unternehmen mitbieten können.
Meist geht der Zuschlag an das billigste Angebot. Im Frühjahr 2009 wurde
allerdings [3][im Gesetz ausdrücklich festgehalten], es könnten auch
"zusätzliche Anforderungen an Auftragnehmer gestellt werden, die
insbesondere soziale, umweltbezogene oder innovative Aspekte betreffen".
Das Cora-Netzwerk kritisiert, dass die Behörden diese Möglichkeiten noch
viel zu selten nutzen.
23 Feb 2010
## LINKS
(DIR) [1] http://www.cora-netz.de/
(DIR) [2] /1/zukunft/umwelt/artikel/1/merkel-beziehlt-klimaschaedlichen-strom/
(DIR) [3] http://dejure.org/gesetze/GWB/97.html
## AUTOREN
(DIR) Sebastian Heiser
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