# taz.de -- SPD-Politikerin zu Griechenland: "Die Spekulanten übertreiben"
       
       > Die Euroländer sollten eine Garantie für Griechenlands neue
       > Staatsanleihen abgeben, fordert die SPD-Politikerin Skarpelis-Sperk.
       
 (IMG) Bild: Gegen die Sparpläne: Ein Rentner protestiert vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Papandreou
       
       taz: Frau Skarpelis-Sperk, die griechische Regierung hat radikale
       Sparmaßnahmen beschlossen. Ist das bankrotte Griechenland damit gerettet? 
       
       Sigrid Skarpelis-Sperk: Die Lohnkürzungen werden die Rezession verschärfen
       - und zu neuen Steuerausfällen führen.
       
       Wo soll der Staat also sparen? 
       
       Wenn die Eliten Steuern abführen würden, wäre das Problem behoben. In
       Griechenland zahlen nur die normalen Angestellten Steuern. Die
       Selbständigen entziehen sich weitgehend.
       
       Hier verweist man gern darauf, dass sich die Griechen einen üppigen
       Sozialstaat leisten. 
       
       Sie geben deutlich weniger aus als wir. Die griechische Eckrente liegt bei
       780 Euro, die Mindestrente unter 600 Euro. Griechenland hat zudem in den
       letzten Jahren hunderttausende Griechen aus den Staaten der ehemaligen
       Sowjetunion, Albanien und dem restlichen Balkan aufgenommen, die weder in
       die Renten- noch Krankenkassen eingezahlt haben. Dagegen ist der Anteil der
       Aussiedler in Deutschland fast verschwindend.
       
       Aber wie soll Griechenland der Schuldenfalle entkommen? 
       
       Das Problem wird von den Spekulanten übertrieben: Die Schulden
       Griechenlands betragen zwar 120 Prozent des Bruttosozialprodukts - aber die
       Japaner sind zum Beispiel bei knapp 200 Prozent angekommen. Die Griechen
       könnten ihre Schulden bedienen, wenn sie nur "deutsches" Zinsniveau zahlen
       müssten.
       
       Was sollten die Euroländer also tun? 
       
       Sofort eine Garantie für die neuen Staatsanleihen Griechenlands abgeben.
       Das würde den deutschen Steuerzahler überhaupt kein Geld kosten - würde
       aber die Zinskosten für die Griechen drastisch senken, weil sie keine
       Risikoaufschläge mehr zahlen müssten. Es ist doch Wahnsinn, dass die
       Griechen die unverschämten Spekulationsgewinne der Banken und Hedgefonds
       finanzieren sollen.
       
       Bis 2012 soll die Neuverschuldung von Griechenland drastisch sinken. Geht
       das überhaupt? 
       
       Solange die Wirtschaftskrise andauert, ist das reine Illusion. Trotzdem
       müssen Korruption und Steuerhinterziehung natürlich energisch bekämpft
       werden. Zudem könnte Griechenland Milliarden in der Rüstung sparen - aber
       daran haben die großen Nato-Länder kein Interesse, die am Rüstungswettlauf
       zwischen Griechenland und der Türkei verdienen. Bei seinem Antrittsbesuch
       in Athen hat Außenminister Westerwelle die Griechen gedrängt, dass sie doch
       bitte Eurofighter kaufen sollen. Und die Franzosen haben verlangt, dass die
       Griechen vier Fregatten für über 3 Milliarden Euro bestellen. Das ist doch
       schizophren. Die EU sollte garantieren, dass sie Griechenland bei einem
       unprovozierten Angriff verteidigt. Das würde den Haushalt stark entlasten.
       
       Einige Volkswirte vertreten die Meinung, dass man Griechenland ruhig
       pleitegehen lassen könnte. Das Land trage nur 2 Prozent zum
       Bruttoinlandsprodukt der Euroländer bei. 
       
       Eine schwere Rezession in Griechenland würde den ganzen südlichen Balkan
       destabilisieren. Denn in Griechenland leben zwischen 1,2 und 1,7 Millionen
       Gastarbeiter, vor allem aus Albanien und Bulgarien. Sie würden als Erste
       nach Hause geschickt.
       
       INTERVIEW: ULRIKE HERRMANN
       
       4 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Herrmann
       
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