# taz.de -- Parlamentswahl im Irak: Wählen gehen trotz Anschlägen
> Die zweite Parlamentswahl seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein
> wird von Anschlägen mit mindestens zwei Dutzend Toten überschattet.
(IMG) Bild: Ein irakischer Polizist durchsucht einen Wähler vor dem Wahllokal.
KAIRO taz | Irakische Wahlen funktionieren nach ihrer eigenen Logik. "Gehe
nicht morgens zur Urne!", lautet der wichtigste Grundsatz. Die Iraker
wissen: Am Wahltag wird immer morgens gebombt und geschossen. Nicht nur die
Wähler haben eine Logik, auch die Attentäter, die die Wahl sabotieren
wollen. Und die lautet: Anschläge machen nur bei der Öffnung der Wahllokale
Sinn, denn schließlich sollen die Wähler für den Rest des Tages
abgeschreckt werden.
Da bildeten die zweiten Parlamentswahlen seit dem Sturz Saddam Husseins
keine Ausnahme. Die Wahllokale schlossen gerade auf, da waren in Bagdad die
ersten Mörsergrananten zu hören. Eine al-Qaida-nahe Gruppe hatte gar
Flugblätter verteilt und die Menschen gewarnt, wählen zu gehen. Mindestens
25 Menschen kamen am Wahltag ums Leben. Alleine 14 Menschen starben, als
ihr Wohngebäude im Nordosten Bagdads in die Luft flog. Auch die Grüne Zone,
Sitz der Regierung und der US-Botschaft im Zentrum Bagdads geriet am frühen
Morgen unter Granatbeschuss.
Dort gab auch Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor laufenden Kameras sein
Stimme ab und rief danach seine Landsleute auf, sich nicht abschrecken zu
lassen. "Ich kenne die Iraker, immer wenn es Drohungen gibt, erweisen sie
sich als stur und hartnäckig", lautete sein Appell an den Trotz, der von
allen Fernsehstationen ausgestrahlt wurde. In einigen Vierteln in Bagdad
waren ebenfalls seit den Morgenstunden Lautsprecherwagen unterwegs mit der
Botschaft, sich nicht einschüchtern zu lassen. "Jeder Gang zur Urne ist ein
Pfeil in der Brust des Gegners", verkündeten sie. Am Mittag wurden die
Schlagen vor den Wahllokalen dann langsam länger. GAW
8 Mar 2010
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(DIR)
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