# taz.de -- Kommentar Wahlen im Irak: Noch lange nicht über den Berg
> Demokratische Wahlen im Irak sind allein noch keine Garantie für Frieden
> und Stabilität. Das gilt umso mehr, wenn die nächste Regierung auch noch
> das Vakuum füllen soll, das die US-Armee hinterlässt.
(IMG) Bild: Die Wahlleiterinnen Hamdiya al-Husseini (links) und Amal Al-Beriqdar verkündeten am 8.3. die Wahlbeteiligung von über 60 Prozent.
Eine arabische Wahl mit ungewissem Ausgang - alleine das macht die zweite
Parlamentswahl im Irak seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein in einer
Region, die noch immer überwiegend von Autokraten regiert wird, nahezu
einzigartig. Das allein bedeutet aber noch lange nicht, dass der Irak
politisch über den Berg ist. Das zeigen schon die zahlreichen Anschläge im
Vorfeld der Abstimmung und am Wahltag selbst.
Sicher, es gibt einige positive Entwicklungen in der politischen Landschaft
des Iraks. Viele Iraker scheinen einer Politik, die auf Konfession und
Religion basiert, überdrüssig. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen,
dass kaum eine der großen Listen, die zur Wahl standen, diese
konfessionellen Grenzen bereits überwunden hätte. Die meisten von ihnen
segeln im schiitischen oder kurdischen Fahrwasser. Die wichtigsten
sunnitischen Politiker dagegen blieben als ehemalige Mitglieder der
Baathpartei von der Wahl ausgeschlossen. Obwohl der US-Abzugstermin immer
näher rückt, bleibt das Land von einer echten Aussöhnung noch meilenweit
entfernt.
War der Weg zu diesen Wahlen schon steinig, so könnte sich die Zeit danach
als noch härter erweisen. Auch ein neues Parlament wird große
Schwierigkeiten haben, die vielen Konflikte zu lösen: den Streit zwischen
Arabern und Kurden, zwischen Schiiten und Sunniten, um die Verteilung der
Öleinnahmen oder über die Frage, wer künftig in Bagdad den Ton angibt:
Washington oder Teheran?
Die letzten Wahlen 2005 hatten den Irak an den Rand eines Bürgerkriegs
geführt. Weil auch nach diesem Referendum kein eindeutiger Wahlsieger zu
erwarten ist, droht ein langwieriger Koalitionspoker. Und werden sich die
Verlierer auf die Rolle einer gewaltlosen Opposition einlassen?
Demokratische Wahlen im Irak sind allein noch keine Garantie für Frieden
und Stabilität. Das gilt umso mehr, wenn die nächste Regierung auch noch
das Vakuum füllen soll, das die US-Armee hinterlässt.
7 Mar 2010
## AUTOREN
(DIR) Karim Gawhary
(DIR) Karim El-Gawhary
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