# taz.de -- Pro und Contra: Trennt Westerwelle zu wenig zwischen Amt und Privatinteressen?
> Westerwelle macht als Außenminister Lobby für die deutsche Wirtschaft.
> Sein Lebensgefährte und Eventmanager ist oft dabei. Ist das der Liebe zu
> viel?
(IMG) Bild: Bei VW in Buenos Aires: Westerwelle am Dienstag mit Lebensgefährten Mronz.
JA, Westerwelle sollte besser trennen
Wenn der Außenminister der Exportnation Deutschland ins Ausland reist, hat
er oft eine Wirtschaftsdelegation bei sich. Dass damit eine Grauzone von
Lobbyismus und staatlicher Repräsentation entsteht, gehört gewissermaßen
zum Geschäft.
Bei Guido Westerwelle ist diese Zone allerdings mehr als grau. In seinem
Anhang reisen auffällig viele, die die FDP mit äußerst großzügigen Spenden
bedacht haben. Bei einer Asienreise war der Vertreter einer Firma dabei, an
der Westerwelles Bruder beteiligt ist. In die Türkei nahm er eine
Künstlerin mit, die zufällig auch in der FDP ist. Und Westerwelles
Lebenspartner, der sein Geld als Veranstalter verdient und auf gute
Kontakte angewiesen ist, fährt auch gern mit dem Minister.
Man weiß nicht, ob ihm diese Reisen bei seinem Job als Eventmanager
nützlich waren oder wie sich dieser Nutzen genau messen ließe. Aber ein
Außenminister muss über den Verdacht, öffentliche und private Interessen
direkt zu vermischen, erhaben sein. Und das ist Guido Westerwelle nicht.
Hinter dieser Kritik Schwulenfeindlichkeit zu vermuten ist nicht mehr als
eine Schutzbehauptung. Hätte Frank-Walter Steinmeier auffällig viele
SPD-Spender und Geschäftsfreunde von Verwandten protegiert und seine
Ehefrau lukrative Deals vorbereitet, wäre die Kritik ganz sicher genau so
hart ausgefallen.
Vielleicht ist es nur Zufall, dass ein schlechter Beigeschmack vielen
Reisen Westerwelles anhaftet. Vielleicht handelt es sich nicht um gewollte
Begünstigungen oder unlautere Belohnungen. Vielleicht haben Westerwelles
Berater nur nicht so genau nachgedacht. Doch drängt sich der Eindruck auf,
dass die FDP die Republik als Selbstbedienungsladen begreift.
Dass die FDP einen unguten Hang zum Klientelismus hat, ist unerfreulich
genug und nicht neu. Das wirklich Überraschende an dieser Affäre ist, wie
dumm sich Guido Westerwelle anstellt. Anstatt vorsichtig zurückzurudern und
den Schaden zu begrenzen, feuert er aus allen Rohren. Man will aber von
keinem Außenminister repräsentiert werden, der nur die Abteilung Attacke
kann.
STEFAN REINECKE ist Autor der taz
***
NEIN, Westerwelle darf seinen Partner mitnehmen
Guido Westerwelle macht so gut wie alles falsch. Seine Stimme verweist auf
seine Not, sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Ihm allerdings jetzt
vorzuwerfen, dass er auf seine diplomatische Tour durch Lateinamerika
seinen Lebensgefährten mitnimmt, hat etwas Spießiges, ja, verkappt
Homophobes.
Niemals ist in der bundesdeutschen Geschichte medial erörtert worden, wie
sinnvoll die Begleitung der (ja meist) Ehefrau auf politischen
Geschäftsreisen ist. Keiner hat sich dafür interessiert, ob Kanzler
Schröder seine Gattin mitnimmt oder nicht. Selbst Joachim Sauers Neigung,
sich aus den Besuchsprogrammen seiner Frau Angela Merkel herauszuhalten,
ist lediglich notiert worden.
Insgeheim hieß es doch auch im Fall von Westerwelles Gefährten: Sähe doch
auch komisch aus, machte er ein sogenanntes Damenprogramm mit. Der
Außenminister macht aus seinen privaten Lebensumständen kein Thema. Sie
sind nur deshalb eines geworden - und das selbst bei liberalen Medien wie
Spiegel, SZ oder FAZ –, weil an Westerwelles Seite eben keine Frau steht,
sondern ein Mann.
Weil aber kein Kommentator das so offen sagen möchte, wird der Verdacht
ersonnen, "Herr Mronz" (wie Westerwelle seinen Mann in spe öffentlich
verklemmt tituliert) habe ökonomische Interessen im Goodwill-Fahrwasser des
Außenministers im Sinn. Nichts ist bewiesen, alles nur unterstellt, aber
der Verdacht ist gestreut - und plötzlich ist aus dem antihomosexuellen
Unbehagen ein Skandälchen für alle gefühlten Fälle geworden.
Der Mann, dem man offenbar die Reise mit dem Lebensgefährten missgönnt, ist
tatsächlich nur schwer zu ertragen. Weil er die Verteidigung der Mitreise
des Geliebten wie einen typischen lärmend insistierenden Coming-out-Akt
inszeniert - und weil Westerwelle einfach nicht cool agiert. Er hätte sagen
können: "Mein Mann und ich haben so wenig Zeit miteinander - da nutzen wir
doch den Trip nach Uruguay, um mal etwas gemeinsam zu erleben." Hat er aber
nicht. Ihm das, das Grelle, vorzuwerfen, fällt auf die Kommentatoren
zurück, nicht auf den tapsigen Außenminister.
JAN FEDDERSEN ist Redakteur für besondere Aufgaben
12 Mar 2010
## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
(DIR) Jan Feddersen
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