# taz.de -- Kommentar Alleinerziehende: Kinder fördern. Nicht die Eltern.
       
       > Ganztagskitas und -schulen sind richtig und wichtig. Doch darauf haben
       > nicht die Eltern, sondern zuerst ihre Kinder ein Anrecht. Denn hier darf
       > es nicht zuerst um die Jobs der Eltern gehen.
       
       Kinder belasten das Leben. Sie verhindern oder erschweren zumindest, dass
       Single-Mama oder Singel-Papa Arbeit findet. So sieht es die SPD und will
       Alleinerziehenden garantieren, dass ihre Kinder den ganzen Tag in der Kita
       betreut werden. Folgt man der SPD-Logik gäbe es dann 600.000
       Hartz-IV-EmpfängerInnen weniger. Das ist naiv, gefährlich und verkehrt
       herum gedacht.
       
       Naiv ist die Vorstellung, dass etwa eine Verkäuferin, die ihren Sohn
       ganztags - also im Idealfall von 6 bis 18 Uhr - in der Kita abgibt, sich
       ganz der Arbeit widmen kann. Viele Geschäfte haben Stunden nachdem in der
       letzten Kita das Licht ausgeht noch geöffnet und am Samstag sowieso. Auch
       in den meisten anderen Branchen richten sich die Arbeitszeiten nicht nach
       der Kita-Öffnungszeit.
       
       Gefährlich für alle Single-Eltern sind die Konsequenzen, die sich für sie
       ergäben. Wenn diese Plätze für alle Kinder mit SE-Status (Single-Eltern)
       denn tatsächlich existierten, dann würde der Druck auf die Eltern steigen,
       irgendeinen Job, egal zu welchen Bedingungen, anzunehmen. Wieso arbeitet
       der oder die denn nicht, wenn ihr Kind doch den ganzen Tag in der Kita ist?
       Dies wäre eine Frage, der sie sich stellen müssten.
       
       Und grundsätzlich ist es verkehrt, einigen Kindern Ganztagsplätze zu
       reservieren, weil ihre Eltern zu irgendeiner Gruppe gehören. Derzeit werden
       Ganztagsplätze angesichts des knappen Angebots bevorzugt an Berufstätige
       und Migranten vergeben. Wieso nicht auch an Singles, fragt sich die SPD.
       Aber was passiert, wenn Mama noch einmal heiratet? Darf Justin dann nicht
       mehr bis vier bleiben, sondern wird wieder um zwei abgeholt?
       
       Ganztagskitas und -schulen sind richtig und wichtig. Doch darauf haben
       nicht die Eltern, sondern zuerst ihre Kinder ein Anrecht. Also muss es für
       alle Kinder, deren Eltern das wollen, ausreichend Zeit und Plätze geben.
       Kitas und Schulen sind längst keine Kinderverwahranstalten mehr für
       beschäftigte Eltern. Hier sollen Kinder spielen, lernen und von Anfang an
       gefördert werden. In jeder Beziehung.
       
       20 Apr 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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