# taz.de -- Italienische Manager verurteilt: Knast für Asbesttod
> Die Hinterbliebenen von Asbestopfern einer Werft in Palermo werden
> entschädigt. Die überlebenden Opfer jedoch gehen leer aus - wegen
> Verjährung.
(IMG) Bild: Protestaktion von Asbest-Opfern in Italien.
ROM taz | Mit hohen Haftstrafen ist am Montag in Palermo der Prozess gegen
drei ehemalige Manager der Palermitaner Großwerft Fincantieri zu Ende
gegangen. Wegen fahrlässiger Tötung in 29 Fällen müssen sie für drei bis
siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Zudem müssen sie an die Hinterbliebenen
und die italienische Unfallversicherung Entschädigungen von über 5
Millionen Euro zahlen. Die Arbeiter waren in den Jahren 1979 bis 1997 an
Asbestose oder Lungenkrebs gestorben.
Das Gericht hielt zwar fest, dass der Einsatz von Asbest in Italien erst
seit 1992 verboten ist, doch weil die von den mikroskopisch kleinen
Asbestfasern ausgehenden Gesundheitsrisiken schon seit den 50er-Jahren
bekannt waren, galten seit 1965 strenge Sicherheitsvorschriften. Und diese,
das wurde im Prozess deutlich, wurden auf der Werft nicht eingehalten. Die
Menschen arbeiteten dort ohne Atemschutzmasken, die Absauganlagen waren in
der Regel defekt, der Asbeststaub wurde einfach mit Besen zusammengefegt.
Auch eine Frau, die die die Arbeitskleidung ihres Mannes zu Hause in der
Waschmaschine gewaschen hatte, gehört zu den Opfern: Kurz nach ihrem Mann
starb auch sie an Asbestose.
Während die Manager für die Todesfälle verurteilt wurden, gab es in 24
weiteren Fällen, in denen sie wegen Körperverletzung angeklagt waren,
Freisprüche - denn dieses Delikt ist mittlerweile verjährt. Deshalb
erhielten die noch lebenden Opfer auch keine Entschädigung, sondern wurden
auf den langwierigen Weg einer Zivilklage verwiesen. "Wir müssen wohl erst
an Krebs sterben, ehe uns Gerechtigkeit widerfährt", kommentierte einer von
ihnen nach der Urteilsverkündung.
Weitere Prozesse in Palermo werden sich anschließen: Der Tod weiterer 60
Arbeiter auf der Werft soll demnächst verhandelt werden. Zugleich läuft in
Turin das Mammutverfahren gegen zwei Manager der Firma Eternit weiter, die
sich für den Tod von etwa 2.000 Menschen in den italienischen Betrieben der
Eternit verantworten müssen.
Italien nimmt damit eine juristische Aufarbeitung des jahrzehntelangen
Asbestmissbrauchs vor, wie sie in anderen Staaten unbekannt ist. So waren
zum Beispiel die Zustände auf der Bremer Vulkan-Werft über Jahre ganz
ähnlich wie bei Fincantieri in Palermo - und auch in Bremen sterben frühere
Werftarbeiter an Asbestose oder Krebs. Doch strafrechtlich musste sich dort
nie jemand verantworten.
28 Apr 2010
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
(DIR) Michael Braun
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(DIR) Asbest
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