# taz.de -- Kommentar Obama: Opfer des eigenen Opportunismus
       
       > Als konsequenter Umweltschützer kann der US-Präsident sich jetzt nicht
       > mehr verkaufen. Ab noch hat Obama die Chance, die Krise zu seinen Gunsten
       > zu wenden.
       
 (IMG) Bild: Warten auf den Ölteppich: Für die Vögel von Breton Island im US-Bundesstaat Louisiana hat die Brutzeit begonnen.
       
       Niemand weiß, was genau man jetzt tun müsste. Experten, Techniker und
       Hilfskräfte stochern im Nebel. Eine unkontrolliert sprudelnde Ölquelle
       eineinhalb Kilometer unter der Meeresoberfläche - es gibt keine
       Präzedenzfälle, auf die sich die ratlosen Fachleute berufen könnten, egal
       ob die US-Regierung oder British Petroleum sie bezahlt. Damit die wohl
       nicht mehr vermeidbare Umweltkrise nicht zu einer für ihn gefährlichen
       politischen Krise wird, muss der US-Präsident vor allem zwei Dinge
       erreichen: Er muss glaubhaft machen können, dass die US-Regierung nichts,
       aber auch gar nichts unversucht lässt, um die Schäden zu minimieren und
       Abhilfe zu schaffen. Und er muss seine Ankündigung, der britische Ölkonzern
       werde am Schluss die Rechnung bezahlen, wirklich durchsetzen. Gelingt
       beides, dürfte Obama den Kopf aus der Schlinge haben.
       
       Dass das hervorsprudelnde Öl ihn aber überhaupt politisch in
       Schwierigkeiten bringt, hat er seinem eigenen Opportunismus zu verdanken.
       Gerade erst einen Monat ist es her, dass Obama angekündigt hat, nun doch
       weitere Ölbohrungen vor der Küste der USA zu genehmigen. Was weithin als
       Konzession an die konservative Opposition gesehen wurde, um Druck
       herauszunehmen und die Zustimmung zu Obamas Klimaschutzvorhaben zu
       erleichtern, erweist sich als politischer Bumerang.
       
       Zwar ist die Katastrophe politisch vor allem ein Desaster für die "Drill,
       baby, drill"-Rhetorik der konservativen Leitfiguren Sarah Palin und Rush
       Limbaugh, die auch prompt verstummt sind. Als konsequenter Umweltschützer
       kann sich aber auch Obama nicht mehr verkaufen - eine gute Lektion,
       eigentlich. Wenn auch politisch nicht einmal kurzfristig hilft, was
       langfristig falsch ist, dann ist schon viel gewonnen. Wie könnte Obama
       jetzt auftrumpfen, wenn er bei seiner Ablehnung geblieben wäre! Dumm
       gelaufen.
       
       Obama kann die Krise noch zur Chance drehen. Sichtbare Umweltkatastrophen,
       erinnert Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman zu Recht in der New York
       Times, haben schon in den 60er- und 70er-Jahren ein Umdenken überhaupt erst
       möglich gemacht. Wenn Obama die richtigen Antworten findet, kann aus dem am
       Meeresboden sprudelnden Öl eine neue Einsicht in die Notwendigkeit von
       Umweltpolitik gewonnen werden.
       
       Dass es so etwas braucht, ist bitter genug. Die Gelegenheit verstreichen zu
       lassen, wäre allerdings mehr als fahrlässig.
       
       4 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bedrohte US-Küste: Mit dem Öl kommt die Laichzeit
       
       Im Golf von Mexiko haben die Einsatzkräfte mit der Entlastungsbohrung am
       Meeresgrund begonnen. Das Ökosystem schwebt ohnehin in höchster Gefahr –
       und das auch noch in der Laichzeit.
       
 (DIR) Riskante Ölförderung: Im Rausch der Tiefe
       
       Der Weg bis zum Tiefseeöl ist weit, die Förderung riskant und teuer. Aber
       so lange der Ölpreis hoch ist, werden die Ölkonzerne weiter machen.
       
 (DIR) Obama sichtet die Ölpest: "BP wird die Rechnung zahlen"
       
       Schlechtes Wetter erschwert die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko.
       Obama macht sich ein Bild vor Ort und spricht von einer "möglicherweise
       noch nie dagewesenen Naturkatastrophe".