# taz.de -- Kommentar Behörden-Auskunft: Geheim, geheim
       
       > Überschwemmt die öffentlichen Stellen mit Anfagen, damit sie endlich
       > lernen, dass Informationen nicht ihnen, sondern den Bürgern gehören.
       
       Wenn neugierige Bürger früher bei Behörden nachfragten, erhielten sie
       meistens die Antwort: "Geht dich nichts an, Amtsgeheimnis." Das sollte sich
       mit dem vor viereinhalb Jahren vom Bundestag verabschiedeten
       Informationsfreiheitsgesetz ändern. Jeder sollte, ohne Ansehen der Person
       und etwaiger Beweggründe, Einblicke in die Dokumente öffentlicher Stellen
       erhalten können.
       
       Mit der nun vom Bundesbeauftragten Peter Schaar vorgelegten zweiten Bilanz
       wird klar: Mit der Geheimniskrämerei in den Amtsstuben ist immer noch nicht
       Schluss. Auch wenn sich in manchen Behörden etwas verbessert hat, ist
       Deutschland immer noch weit von einer Kultur der Transparenz entfernt, wie
       sie etwa in Schweden schon lange herrscht. Da wird verzögert und gemauert.
       Oder es werden Unterlagen gleich ganz zurückgehalten, mit
       Totschlagargumenten wie dem Verweis auf vermeintliche Sicherheitsinteressen
       oder Geschäftsgeheimnisse von Firmen.
       
       Schaar hat die deutsche Geheimniskrämerei mit einem schönen Beispiel
       verdeutlicht: Während US-Präsident Obama gerade die Zahl der
       Atomsprengköpfe bekannt gegeben hat, wollen die deutschen Behörden den
       Bürgern noch nicht mal die Zahl der Videokameras auf den Bahnhöfen nennen.
       
       Die deutschen Behörden sind immer noch von großem Misstrauen gegenüber den
       Bürgern getrieben. Das offenbart auch ein kleines Detail, das in dem
       Bericht erwähnt wird. Da stellen Behörden erst einmal Nachforschungen an,
       wer da einen Antrag stellt, und googeln nach, wer so frech ist und zu
       fragen wagt.
       
       Da hilft nur eines: Noch mehr Menschen müssen Anträge auf Einsicht in
       amtliche Unterlagen stellen. Dabei reicht ein formloser Brief, eine E-Mail
       oder ein Anruf. Damit die Behörden lernen, dass die Informationen nicht dem
       Staat gehören, sondern den Bürgern.
       
       4 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Schmidt
       
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