# taz.de -- Streik im Krankenhaus: Nur Notbesetzung geplant
       
       > Ärzte an den kommunalen Kliniken wollen ab Montag streiken. Vertreter der
       > niedergelassenen Ärzte fordert "ehrliche Diskussion" über "Priorisierung"
       > von Leistungen.
       
 (IMG) Bild: Ab Montag wollen die Ärzte an den kommunalen Kliniken in den Streik treten.
       
       BERLIN taz | Vom kommenden Montag an dürfte wieder allenthalben diskutiert
       werden, ob Ärzte maßlos sind in ihren Entgeltforderungen oder nicht. Dann
       beginnen die Medizinerstreiks an kommunalen Kliniken. Dadurch werde es zu
       Verzögerungen bei planbaren Eingriffen kommen, kündigte Armin Ehl an,
       Hauptgeschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund.
       
       "Die Besetzung in kommunalen Krankenhäusern soll auf Wochenendniveau
       heruntergefahren werden", sagte Ehl im Gespräch mit der taz. Wer eine
       Operation an einem kommunalen Krankenhaus für die kommende Woche geplant
       habe, solle sich jetzt erkundigen, ob der Eingriff nicht verschoben werde.
       
       In Deutschland gibt es 650 kommunale Krankenhäuser, fast ein Drittel der
       bundesweit 2.100 Kliniken. Die Ärztevertreter fordern 5 Prozent mehr
       Entgelt mit Laufzeit von einem Jahr für die 55.000 Ärzte an diesen
       Krankenhäusern. Der Marburger Bund erklärte, die höhere Bezahlung müsse der
       "steigenden Arbeitsbelastung" in den Krankenhäusern entsprechen. In immer
       kürzerer Zeit müssten immer mehr Patienten versorgt werden.
       
       Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hat den Ärzten
       eine Entgeltsteigerung von 2,9 Prozent bei einer langen Laufzeit von 33
       Monaten angeboten. Außerdem wollen die Arbeitgeber Bereitschafts- und
       Nachtdienste besser vergüten. Die Gehälter im öffentlichen Dienst müssten
       für alle Beschäftigten "im Einklang" steigen, erklärte VKA-Sprecherin Katja
       Christ.
       
       Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst bekommen laut Ver.di-Tarifvertrag
       stufenweise Entgelterhöhungen von 2,3 Prozent mit einer Laufzeit von 26
       Monaten. Daran orientiere sich auch das Angebot des VKA für die Ärzte,
       sagte Christ. Nach VKA-Angaben bekommt ein Assistenzarzt an einem
       kommunalen Krankenhaus bei einer 40-Stunden-Woche ohne Nacht- und
       Bereitschaftsdienst nach dreijähriger Tätigkeit 4.275 Euro brutto.
       
       Weniger um die Arztgehälter, sondern um den Personalmangel an Medizinern
       soll es auf dem Deutschen Ärztetag der Bundesärztekammer gehen, der ab
       Dienstag in Dresden tagt. Dort werden auch die Themen Versorgung und
       Rationierung von ärztlichen Leistungen aus Kostengründen behandelt.
       
       Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) - der
       Repräsentanz der niedergelassenen Ärzte -, Andreas Köhler, forderte am
       Montag, man brauche eine gesamtgesellschaftliche, offene und ehrliche
       Diskussion darüber, was die solidarisch finanzierte Krankenversicherung in
       Zukunft noch leisten könne und solle.
       
       "Dazu gehört auch, über Priorisierung im Sinne einer Vermeidung von
       Rationierung zu sprechen", sagte Köhler. Unter "Priorisierung" versteht man
       die Abstufung von ärztlichen Leistungen nach ihrer vermeintlichen
       Notwendigkeit.
       
       Der Ausgabendruck auf die niedergelassenen Ärzte seitens der Krankenkassen
       sei teilweise so hoch, dass er zu einer impliziten Rationierung führe,
       erklärte Köhler.
       
       10 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Hamburg
       
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