# taz.de -- Kritik an Kochs Kita-Sparplänen: Aufstand gegen den Dinosaurier
       
       > Ausgerechnet bei den Kitas und der Bildung will Hessens Ministerpräsident
       > Roland Koch (CDU) sparen. Jetzt wehren sich mehrere Ministerinnen – quer
       > durch die Parteireihen.
       
 (IMG) Bild: Ein "gedanklicher Dinosaurier", findet eine CSU-Ministerin: Roland Koch.
       
       BERLIN afp/dpa/taz | Roland Kochs Kürzungspläne kommen nicht gut an.
       Ausgerechnet bei den Kitas und der Bildung sparen? Nein, sagen mehrere
       Ministerinnen aus Bund und Ländern, und kritisieren den hessischen
       CDU-Ministerpräsidenten Koch scharf.
       
       Wer Kürzungen bei Krippenplätzen und der Bildung ins Gespräch bringe,
       „handelt wie ein Brandstifter und outet sich als gedanklicher Dinosaurier“,
       sagte die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) in
       einem Zeitungsinterview. In der ARD legte sie am Dienstagabend noch mal
       nach: „Durch solche Äußerungen entsteht auch ein Schaden für die gesamte
       Union.“
       
       Koch hatte zuvor die Garantie eines Betreuungsplatzes für Kinder unter drei
       Jahren ab 2013 in Frage gestellt. Es müsse geprüft werden, ob dies noch
       finanzierbar sei, sagte er. Außerdem werde die Steigerung der
       Bildungsausgaben auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht so
       schnell umgesetzt werden können, so Koch. Dieses Ziel findet sich auch im
       Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP wieder – im Kapitel
       „Bildungsrepublik Deutschland“.
       
       Kritik an den Sparvorschlägen kommt auch von Bundesfamilienministerin
       Kristina Schröder (CDU). „Ausgerechnet beim Ausbau der Kinderbetreuung und
       bei der Bildung zu beginnen“, sagte Schröder in der ARD, „das ist wirklich
       absurd“.
       
       Die stellvertretende SPD-Vorsitzende und mecklenburg-vorpommerische
       Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte, nun lasse die CDU wenige
       Tage nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen die Katze aus dem Sack und setze
       den Rotstift bei Familien und Bildung an.
       
       "Völlig unstrittig ist, dass die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte
       dringend geboten ist", sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin
       Doris Ahnen (SPD) taz.de am Mittwoch. "Wer aber beim Sparen zuerst an
       Kinderbetreuung und Bildung denkt, handelt äußerst kurzsichtig."
       
       Auch bei Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Arbeitsministerin
       Ursula von der Leyen (CDU) stoßen Kochs Kürzungsideen auf wenig Gegenliebe.
       Kein Wunder: Der Kitaausbau war eines der zentralen Projekte von der Leyens
       in der großen Koalition. Öffentlich äußern wollte sie sich aber auf
       Nachfrage nicht.
       
       Ein Sprecher von Familienministerin Schröder sagte, der Bund werde den
       Ländern bis 2013 für den Krippenausbau nach wie vor vier Milliarden Euro
       zur Verfügung stellen. Daran werde nicht gerüttelt. Ab 2014 werde er sich
       an den laufenden Kosten mit 770 Millionen Euro jährlich beteiligen.
       
       Auch ein Sprecher von Bildungsministerin Schavan sagte, es bleibe bei den
       zugesagten zusätzlichen zwölf Milliarden Euro für Bildung und Forschung bis
       2013.
       
       12 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Schmidt
       
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