# taz.de -- Kunstdiebstahl in Paris: Picasso und Matisse sind weg
       
       > Es ist einer der größten Kunstdiebstähle aller Zeiten: Räuber sollen aus
       > einem Pariser Museum Bilder im Wert von 90 bis 100 Millionen Euro
       > gestohlen haben. Darunter Werke von Picasso und Matisse.
       
 (IMG) Bild: Picasso-Werke sind oft im Visier von Dieben. Das Bild "The Painter" wurde 1993 aus dem Museum of Modern Art in Stockholm gestohlen.
       
       PARIS taz | Das Vorgehen ist von einer simplen Banalität, die im krassen
       Kontrast zum ungeheuren Wert der gestohlenen Bilder steht. Offenbar mussten
       die unbekannten Diebe bloß das Schutzgitter eines Fensters auf der
       Hinterseite des Musée dArt Moderne de la Ville de Paris (MAM) entfernen und
       ein Schloss aufbrechen, um ungehindert ins Innere eindringen zu können.
       Dort bedienten sie sich mit Kennerblick. Sie ließen nur Meisterwerke
       mitlaufen: Pablo Picasso "Le pigeon aux petits points" von 1912, "La
       pastorale" (1906) von Henri Matisse, Georges Braques "Lolivier près de
       lEstaque", ebenfalls aus dem Jahre 1905, eines von Amedeo Modiglianis
       berühmten Frauenporträts aus dem Jahr 1919 mit dem Titel "La femme à
       léventail" sowie Fernand Légers Stillleben "Nature Morte aux chandeliers"
       von 1922.
       
       Das heißt, es wurden lauter sehr bekannte Bilder ausgewählt, die auf dem
       Schwarzmarkt bestimmt nicht an den erstbesten Hehler verhökert werden
       können. Sehr schnell wurde darum die Vermutung geäußert, dass es sich beim
       dreisten Einbruch ins Pariser Museum um eine Bestellung eines ebenso
       begüterten wie skrupellosen Sammlers handeln könnte, der professionellen
       Dieben den Auftrag zu diesem Kunstraub gegeben hat, der zweifellos in die
       Annalen der französischen Kriminalgeschichte eingehen wird. Und falls die
       Täter nicht rasch gefunden und überführt werden, dürfte dieser Diebstahl
       die Fantasie von Krimiautoren zu Geschichten im Stil des französischen
       Meisterdiebs Arsène Lupin inspirieren. Eine andere Möglichkeit besteht
       darin, dass die Täterschaft versuchen könnte, die entwendeten Bilder gegen
       ein "Lösegeld" der Versicherung auszutauschen.
       
       Der Diebstahl ist am Vormittag kurz vor sieben Uhr vom Personal bei einem
       Rundgang in den weitläufigen Räumlichkeiten des Museums entdeckt worden.
       Seither ist das MAM für die Besucher geschlossen, die mit den Ermittlungen
       beauftragte Polizeibrigade zur Bekämpfung von Bandenverbrechen versucht
       irgendwelche Spuren zu finden. Das einzige brauchbare Element besteht in
       der Aufzeichnung einer Videokamera des Überwachungssystems, auf der die
       Gestalt eines nächtlichen Eindringlings zu sehen ist. Wie detailliert diese
       Bilder sind, wurde bisher nicht mitgeteilt. Parallel zur Spurensicherung
       läuft eine polizeiliche Großfahndung, um wenn immer möglich zu verhindern,
       dass die wertvollen Kunstschätze außer Landes gebracht werden. Die
       Datenbank von Interpol umfasst derzeit 26.000 gestohlene Kunstgüter.
       
       Einmal mehr stehen nach diesem "Jahrhundertraub" die offenbar ungenügenden
       Sicherheits- und Alarmeinrichtungen zur Diskussion. Mehrfach sind die
       Pariser Museen deswegen von Kriminalexperten gerügt worden. Vor knapp einem
       Jahr wurde im Pariser Picasso-Museum während der Öffnungszeit eine
       wertvolles Heft mit Zeichnungen des spanischen Künstlers im Wert von
       mehreren Millionen Euro entwendet. In diesem Fall profitierte der Dieb vom
       außerordentlichen Umstand, dass damals in diesem Museum im Marais-Quartier
       Renovierungsarbeiten im Gange waren und deshalb die Aufsicht vielleicht
       etwas weniger rigoros war. Zu Jahresbeginn waren aus einer privaten Villa
       bei Toulon dreißig Bilder, darunter ein Picasso, gestohlen worden, zwei
       Tage zuvor war eine kostbare Pastellzeichnung von Edgar Degas, eine
       Leihgabe des Pariser Musée dOrsay, aus dem Cantini-Museum in Marseille
       verschwunden.
       
       Weshalb der Einbruch und der Diebstahl im MAM keinen Alarm ausgelöst haben,
       ist derzeit noch nicht bekannt. Neben den fünf entwendeten Bildern umfasst
       die Sammlung des 1961 eröffneten Museums rund 8.000 Werke aus dem
       Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts mit besonders repräsentativen Beispielen
       des Fauvismus und des Kubismus. Das MAM vis-à-vis vom Eiffelturm in der
       Nähe des Trocadéro ist nicht mit dem Centre Pompidou, den international
       bekannteren Nationalen Museum für Moderne Kunst in Paris, zu verwechseln.
       Es ist im östlichen Flügel des Palais de Tokyo untergebracht. Dieser
       äußerlich an Mussolinis Monumentalbauten erinnernde Palast war 1937 für die
       Weltausstellung erstellt worden.
       
       Er wurde 2006 renoviert und beherbergt neben der permanenten Sammlung auch
       regelmäßig temporäre Ausstellungen mit großem Zulauf. Die letzte war dem
       Werk von Giorgio de Chirico gewidmet gewesen. Das seit 2007 von Fabrice
       Hergott geleitete städtische Museum gehört dem französischen Staat, dessen
       nationale Museumsverwaltung somit auch für den Unterhalt zuständig ist. Der
       Pariser Stadtpräsident Bertrand Delanoë erklärte gestern in einem
       Kommuniqué, er sei "bestürzt über diesen Raub, der einen unerträglichen
       Verlust für das universelle Kulturerbe" der französischen Kapitale
       darstelle.
       
       20 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
 (DIR) Rudolf Balmer
       
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 (DIR) Dresden
       
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       Raubkopie. Gerade das trägt zur Aura der Kunst bei.