# taz.de -- Kommentar Wulff bei Evangelikalen: Ausrutscher auf Rechtsaußen
> Entweder haben Wulffs Mitarbeiter keine Ahnung - oder ihren Chef ins
> offene Messer laufen lassen. Beides wäre schlecht.
(IMG) Bild: Muss künftig noch mehr aufpassen, dass er nicht die Falschen grüßt: Noch-Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).
Droht uns ein Bundespräsident mit Sympathie für Rechtsradikale? Nein, so
schlimm ist es nicht.
Die "Christlichen Publizisten", bei denen Christian Wulff als Gastredner
aufgetreten ist, sind keine Nazis. Sie mögen archaischen Wertvorstellungen
anhängen und haben sicherlich ein Abgrenzungsproblem gegen Rechtsradikale,
sind aber nicht durch die Bank Verfassungsfeinde. Das macht den Umgang mit
ihnen so schwierig: Mit ihrem etwas ausgefransten rechten Rand segeln sie
unterhalb des Verfassungsschutz-Radars. Sonst hätte womöglich jemand Wulff
vor dem Imageschaden gewarnt.
Denn Teflon-Mann Wulff ist sicherlich unverdächtig, mit evangelikalen
Fundamentalisten zu sympathisieren: Der geschiedene Katholik genießt
derzeit sehr öffentlich seinen zweiten Frühling an der Seite eines
lebenslustigen Society-Girls. Das passt mit den moralinsauren evangelikalen
Miesepetern einfach nicht zusammen.
Umso erstaunlicher, dass in der niedersächsischen Staatskanzlei niemand
sitzt, der den Ministerpräsidenten schützt. Da hätte ein simpler Verweis
auf den engen Terminkalender gereicht. Es gibt nur zwei Erklärungen:
Entweder die Mitarbeiter, die Wulffs Termine auf Unbedenklichkeit
überprüfen, haben keine Ahnung - oder sie selbst haben etwas für die
Evangelikale Rechte übrig und haben ihren Chef ins offene Messer laufen
lassen. Beides wäre schlecht.
10 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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