# taz.de -- Kommentar Bildungsgipfel: Bitte nicht mehr ernst nehmen!
> Wer eine bessere Bildung will, darf nicht auf die Länderchefs setzen,
> sondern muss Druck von unten machen.
Und wieder ein Bildungsgipfel, der zum Hügel schrumpfte. Auf dem Weg zu
ihrem Ziel ab 2015 deutlich mehr Geld für Bildung auszugeben, sind Bund und
Länder keinen Schritt vorangekommen. Der Misserfolg ist dem föderalen
System geschuldet. Solange 16 Schreber in ihren Schulgärten vor sich hin
ackert und sich bei der Pflege ihrer Kulturen jede Einmischung von außen
verbitten, bleibt eine gemeinsame Bildungsrepublik Utopie.
Die Ministerpräsidenten der Länder hatten vor zwei Jahren einhellig
versprochen, ab 2015 jeden zehnten Euro vom Bruttoinlandsprodukt in Bildung
und Forschung zu stecken. Wieviel solche Versprechen wert sind, zeigt sich
in Zeiten der Not. Hessen und Schleswig-Holstein sind dabei, die Zahl der
Lehrer und Studienplätze zu senken.
Der Bund hat sich bereit erklärt, seinen Anteil an den Bildungsausgaben zu
erhöhen. Ein netter Vorschlag, allerdings darf er qua Grundgesetz nur in
Randbereiche investieren. So kann Bundesbildungministerin Annette Schavan
etwa mit großem Einsatz sanierte Klassenräume finanzieren, keinesfalls aber
die LehrerInnen, die darin unterrichten könnten. Dafür sind eigentlich die
Länder zuständig, doch die meisten sind pleite. Um mehr auszugeben,
bräuchten sie zusätzliche Einnahmen, doch der Bund weigert sich, die
Steuern zu erhöhen, wie etwa die Mehrwertsteuer, von denen auch die Länder
profitieren könnten.
Die schwarz-gelbe Regierung kalkuliert anders. Das Geld, welches zusätzlich
in Bildung fließt, wird irgendwo eingespart, vorzugsweise bei den
Sozialausgaben. Darüber regt sich niemand auf, denn wenn
Langzeitarbeitslose gegen Schüler und Kleinkinder konkurrieren, liegt auf
der Hand, wer die größeren Sympathien hat.
Doch spielt man Bildung gegen Sozialpolitik aus, verliert man auf beiden
Feldern. Die Schulabbrecher von heute sind die Langzeitarbeitslosen von
morgen.
11 Jun 2010
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