# taz.de -- Zwangsarbeiter in Tempelhof: Die fast vergessene Geschichte
> Bürger und Bezirkspolitiker befürchten, dass man die NS-Geschichte des
> ehemaligen Flughafengeländes bei der Planung vergisst - und fordern eine
> öffentliche Debatte.
(IMG) Bild: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes will einen "Gedenk- und Lernort" in Tempelhof.
Inlineskater treiben Sport, Familien gehen spazieren: Die meisten Besucher
des ehemaligen Flughafens Tempelhof verbringen hier ihre Freizeit im
Grünen. Kaum einer weiß, dass an diesem Ort Zwangsarbeiter für die deutsche
Rüstungsindustrie schuften mussten und ganz in der Nähe am Columbiadamm
politische Gegner der Nazis in einem KZ gefoltert wurden. Die Unkenntnis
ist nicht überraschend, da von den Gebäuden des KZs und des
Zwangsarbeiterlagers nichts mehr übrig ist.
Das Konzentrationslager Columbiahaus wurde 1933 errichtet. Es diente
gleichzeitig als Gestapogefängnis. Viele der Inhaftierten waren prominente
Nazigegner, wie etwa Erich Honecker und Ernst Thälmann. Im Gegensatz zu
anderen frühen KZs wurde dieses nicht innerhalb kurzer Zeit wieder
geschlossen, sondern wurde bis 1936 betrieben. Im Durchschnitt hatte es 400
Gefangene. Zudem gab es auf dem Flughafenareal ein Zwangsarbeiterlager. Die
Gefangenen wurden für den Ausbau des Flughafens sowie für die
Rüstungsindustrie gebraucht.
Um dem Vergessen entgegenzuwirken, sprachen Experten, Bürger, Politiker und
Vertreter der Senatsverwaltung am Dienstagabend im Kreuzberger Rathaus über
die Errichtung einer Gedenkstätte. "Wenn die Pläne für das Tempelhofer Feld
erst mal gemacht sind, ist es extrem schwierig, einen Fuß in die Tür zu
bekommen", sagte Elvira Pichler, Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der
Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, die zu der
Expertenanhörung geladen hatte.
Eine Zuschauerin wies darauf hin, dass bereits 1994 Klaus Wowereit, damals
SPD-Volksbildungsstadtrat, versprochen habe, ein Mahnmal am authentischen
Ort zu errichten. Bis heute sei allerdings nichts geschehen. Zudem wurde
kritisiert, dass Projekte wie die Internationale Gartenschau 2017 bereits
geplant würden, sodass für die Gedenkstätte am Ende kaum noch Platz sei.
Auch Manfred Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung räumte
ein, dass man sich nicht mehr nur abstrakt mit dieser Frage
auseinandersetzen könne. Es sei aber ein langer Weg, bis das Konzept
gefasst und die Finanzierung gesichert sei. "Wir nehmen das Thema sehr
ernst. Wir würden gern auch kurzfristig Zeichen setzen." Als Beispiel
nannte er eine Gedenktafel.
Viele Anwesende zeigten sich wenig begeistert von dieser Idee. "Es ist
wichtig, dass ein Lernort, ein Ort der Kommunikation entsteht.
Kommunikation ist Gespräch, Austausch. Es muss Platz für Zeitzeugen geben,
um ihre Erinnerungen weiterzugeben", sagte Wolfgang Benz, Historiker vom
Zentrum für Antisemitismusforschung der TU.
Das Resümee der Anhörung: Zuerst soll es eine öffentliche Debatte geben.
Dann muss ein Gesamtkonzept ausgearbeitet werden, um die Informationen über
KZ und Zwangsarbeit in die Geschichte des Tempelhofer Feldes zu
integrieren.
17 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Kristin Ruckschnat
## TAGS
(DIR) Lufthansa
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