# taz.de -- Kommentar Anwohner gegen Clubs und Parks: Enteignet Spinner!
> Neueigentümer klagen gegen freie Uferwege, alteingessene Clubs und
> öffentliche Parks. Da wird es Zeit, die Eigentumsfrage zu stellen.
(IMG) Bild: Röhrendes Unrecht: Ein echter Hirsch wie dieser steht freilich nicht im Hof
In Potsdam wollen die Bewohner von Seegrundstücken die Öffentlichkeit vom
Ufer vertreiben. In Prenzlauer Berg erregen sich Neubaunachbarn über einen
alteingesessenen Musikclub. Und nun wollen sich dort auch noch
Wohnungseigner ein Stück von einem öffentlichen Park erklagen. Man könnte
einen Hauch von Verständnis aufbringen, wenn hier tatsächlich der böse
Staat die Freiheit Einzelner eingeschränkt hätte. Doch das Gegenteil ist
der Fall. In der Regel werden Neueigentümer aktiv, die sich in voller
Kenntnis der Situation Häuser, Wohnungen oder Grundstücke gekauft haben -
und mehr für sich rausschlagen wollen. Weg mit den Uferwegen! Weg mit den
Clubs! Weg mit den Parks! Das ist nicht einfach geschichtsvergessen oder
ignorant. Das ist - gelinde gesagt - eine Frechheit.
Das Problem dahinter ist die heilige deutsche Kuh: das Eigentum an Grund
und Boden. Nach der Wiedervereinigung wurde so ziemlich alles
"rückübertragen", was möglich war. Und als ob das nicht gereicht hätte,
wurden auch noch massenhaft Grundstücke und Häuser von der öffentlichen
Hand verkauft.
Doch wer in Deutschland besitzt, hat die Macht. Da kann die Politik bitten
und betteln. Gestaltungsmacht bekommt sie nur, wenn sie Eigentümer mit
reichlich Geld ruhigstellen kann. Das aber fehlt. Und daher muss man den
Klägern fast schon dankbar sein. Denn je dreister sie agieren, desto
offensichtlicher wird, dass das Eigentum nicht in jedem Fall unantastbar
bleiben kann. Dass bei radikalen Verstößen des Individuums gegen das
Gemeinwohl vielmehr dringend über Enteignung nachgedacht werden muss.
Enteignet Spinner! Denn nur so wird aus der Frechheit der Eigentümer eine
im Wortsinne bodenlose Frechheit.
24 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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