# taz.de -- Kommentar Busse und Bahn: Konkurrenz für die Schiene
> Reisende können sich freuen, denn demnächst dürfen Busreisen in
> Konkurrenz zur Bahn angeboten werden. Doch das reicht noch nicht, auch
> das Personenbeförderungsgesetz muss geändert werden.
Die Verbraucher können sich freuen. Künftig dürfen Busunternehmer auch dann
einen Linienverkehr zwischen zwei deutschen Städten anbieten, wenn die Bahn
die gleiche Strecke bedient. Das hat jetzt das Bundesverwaltungsgericht
entschieden. Die Auflage für die Busunternehmen lautet aber: Der Fahrpreis
muss deutlich unter dem der Bahn liegen.
Wer demnächst also durch die Republik reisen will, hat die Chance auf ein
zusätzliches Angebot. Das ist zu begrüßen, zumal in diesem Falle die
Möglichkeit besteht, billiger ans Ziel zu kommen. Die Ökologie bleibt dabei
nicht auf der Strecke, denn eine Fahrt in einem Reisebus ist nach
Berechnungen des Umweltbundesamtes sogar klimafreundlicher als die
Bahnfahrt - wenn der Bus voll besetzt ist.
Doch damit ist zu rechnen, die Nachfrage nach preisgünstiger Mobilität ist
allemal vorhanden. Und Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass der
Bahnverkehr unter der Konkurrenz durch Busse nicht leiden muss. Es steigen
vor allem die älteren und sparsamen Nichtbahnfahrer in die Omnibusse, die
bislang das eigene Auto oder die Mitfahrzentralen genutzt haben.
Doch das Urteil hat einen Haken: es bewegt sich noch immer in dem Rahmen
eines Gesetzes, mit dem seit den 30er Jahren die Bahn geschützt wird. Das
hat das Unternehmen im Übrigen nicht davon abgehalten, viele Nebenstrecken
stillzulegen und selber einen Busdienst anzubieten.
Doch das Gesetz wurde nicht angefasst. Dabei benachteiligt es klar
diejenigen, die ohne eigenes Auto leben, gegenüber den Autofahrern. Oder
wurde irgendeine Straße schon einmal nicht gebaut, weil sie parallel zur
Bahn verlief? Das Personenbeförderungsgesetz muss also geändert werden. Das
war mal ein erklärtes Ziel der schwarz-gelben Bundesregierung. Es ist an
der Zeit, sie daran zu erinnern.
26 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Stephan Kosch
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