# taz.de -- Pannen bei der Deutschen Brutzel-Bahn: Wir können alles - außer fahren
       
       > Erst fielen am Wochenende die Klimaanlagen mehrerer Züge aus. Dann legt
       > eine Unwetterfront den Bahnverkehr in NRW weitgehend lahm. Die Kritik am
       > Umgang der Bahn mit Krisen wird lauter.
       
 (IMG) Bild: Wie hier in Düsseldorf, warteten am Montag auch in anderen Bahnhöfen in NRW Tausende Reisende vergeblich auf den Zug.
       
       Nach dem Hitzeschock für Dutzende Passagiere am Wochenende ermittelt nun
       die Bundespolizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und
       der unterlassenen Hilfeleistung gegen die Deutsch Bahn AG. Ein Sprecher der
       Bahnpolizei Münster sagte am Montag, wegen des Defekts der Klimaanlage in
       mehreren ICE-Zügen hätten am Samstag in Bielefeld rund 40 Menschen ärztlich
       behandelt werden müssen - die meisten wegen eines Kreislaufkollapses.
       
       Darunter waren auch mehrere Jugendliche, die auf der Rückreise von einer
       Berlin-Klassenfahrt waren. Ihre Schule, die Sophie-Scholl-Gesamtschule in
       Remscheid, will nun Schadenersatz von der Deutschen Bahn fordern. Die Bahn
       habe den Vertrag auf Beförderung der Schüler nicht erfüllt, sagte
       Schulleiterin Brigitte Borgstedt. "Die Beförderung endete im Desaster, und
       das nicht nur einmal."
       
       Diese Erfahrung haben auch andere Bahnkunden gemacht, die in den
       betroffenen Zügen unterwegs war. "Ich war völlig fertig", sagte eine
       Augenzeugin der taz. "Schon im ersten Zug von Berlin nach Hannover war es
       unerträglich heiß." Als sie sich bei einem Schaffner beschwert habe, habe
       dieser geantwortet, sie solle sich nicht so haben, da es in anderen
       Abteilen noch heißer als in ihrem sei. In Hannover sei dieser Zug dann aus
       dem Verkehr gezogen worden. Allerdings sei der Ersatzzug ebenfalls so heiß
       gewesen, dass sich die Fahrgäste geweigert hätten einzusteigen. Bei über 38
       Grad funktionierten die Klimaanlagen generell nicht mehr, habe ein
       Bahnmitarbeiter achselzuckend bemerkt, sagte die Augenzeugin. Weiter sei es
       dann mit dem ICE nach Bielefeld gegangen. Dieser Zug sei völlig überfüllt
       gewesen, berichtet die Reisende. Auf dem Bahnhof in Bielefeld habe dann
       Chaos geherrscht. Immerhin hätten sich die Bahnmitarbeiter bemüht, den
       Verletzten zu helfen.
       
       Nach Aussage eines Bahn-Sprechers gab es über die drei Totalausfälle der
       Klimaanlage am Samstag hinaus in weiteren Zügen in einzelnen Waggons einen
       Ausfall der Klimaanlage. Wie viele weitere Züge betroffen gewesen seien,
       könne er aber nicht sagen, so der Sprecher. Inzwischen erhielten die
       Zugchefs und Zugbegleiter die verbindliche Anweisung, bei einem
       Totalausfall der Klimaanlage den Zug am nächstmöglichen Bahnhof zu stoppen.
       Bei einem Teilausfall liege es im Ermessen des Zugchefs, ob der Zug
       weiterfahren könne.
       
       Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisierte die Bahn am Montag.
       "Ich erwarte von der Deutschen Bahn, dass die Züge bei minus 40 Grad
       genauso zuverlässig fahren wie bei plus 40 Grad", sagte Ramsauer. "Reisen
       muss komfortabel sein und darf nicht zum Gesundheitsrisiko werden."
       Allerdings dürfe man die Vorfälle vom Wochenende auch nicht zu einer
       "nationalen Tragödie hochstilisieren". Das Ministerium sei mit der Bahn,
       der Bahnindustrie und der Bahnaufsicht im Gespräch mit dem Ziel, die
       technischen Probleme bei der Herstellung und Auslieferung von Zügen zu
       beseitigen.
       
       Kritik an der Bahn äußerte auch der Fahrgastverband Pro Bahn. "In vielen
       verspäteten oder überlasteten Zügen verkriecht sich das Personal", sagte
       Rainer Engel vom Fahrgastverband. "Das liegt unter anderem daran, dass die
       Zugbegleiter damit beschäftigt sind, mit Leitstellen zu telefonieren, um
       etwas entscheiden oder die Fahrgäste informieren zu können." Die Leitstelle
       sei aber gerade in Krisenzeiten überlastet. "Viele Zug- und Lokführer haben
       es daher schon aufgegeben, eigenverantwortlich zu handeln und fahren nach
       Fahrplan, solange die Signale es erlauben."
       
       Der Ausfall der Klimaanlagen habe sich seit Tagen angedeutet, sagte Engel.
       Bereits seit Beginn der Hitzewelle seien Klimaanlagen in ICE-Zügen zwischen
       Berlin, Köln und Düsseldorf ausgefallen. "In diesem ICE-Typ schaltet die
       Klimaanlage bei Überlastung einfach ganz ab, statt wenigstens die
       Luftzirkulation aufrechtzuerhalten. Das ist ein technischer Systemfehler",
       sagte Engel. Zudem seien die Werkstätten der Bahn überlastet.
       
       Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte mangelnde Reserven. "Wenn es
       technische Problem gibt, sind keine Ersatzzüge vorhanden", sagte
       VCD-Sprecherin Anna Fehmel. "Die Zugbegleiter sollten Nachschulungen darin
       erhalten, wie sie auf Krisensituationen besser reagieren können." In
       einigen Fällen klappe das schon ganz gut. "Es gab gestern auch Züge, in
       denen das Personal kalte Getränke an die Passagiere verteilt hat", sagte
       Fehmel.
       
       Dass die Bahn nicht nur der Hitze nicht gewachsen ist, zeigte sich am
       Montag in Nordrhein-Westfalen. Eine Gewitterfront hatte den Bahnverkehr im
       Land auf wichtigen Strecken fast vollständig zum Erliegen gebracht. Von
       "massiven Störungen" sprach ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Unter anderem
       seien die Hauptstrecken Köln-Düsseldorf und Köln-Aachen sowie die
       Verbindung Oberhausen - Altenessen - Gelsenkirchen betroffen. Auch beim
       S-Bahn-System an Rhein und Ruhr gebe es Auswirkungen. Nach Blitzeinschlägen
       und durch Bäume im Gleis sei der Verkehr behindert. "Zur Dauer der
       Störungen können wir noch keine Angaben machen", teilte die Bahn mit.
       
       12 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
 (DIR) Jörg Zeipelt
       
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