# taz.de -- Kommentar Deutsche Bahn: Der Menschenverachtung sei dank!
> Im Krisenmanagement um ausgefallene Klimaanlagen agiert die Deutsche Bahn
> unüberbietbar dreist.
(IMG) Bild: Heißer Reisen mit der Deutschen Bahn.
Der Skandal um den Ausfall von Klimaanlagen der Deutschen Bahn am
vergangenen Wochenende hat mit den Entschuldigungsversuchen der Bahn-Oberen
seinen Höhepunkt erreicht. In der Stellungnahme des Bahnvorstandes lesen
wir, Ursache seien "die extremen Außentemperaturen und das hohe
Fahrgastaufkommen" gewesen. Die Ursachen beider Defekte bleiben im Dunkeln.
Ganz so, als ob es sich um ein quasi naturhaftes Ereignis handle, dem die
Bahn leider machtlos ausgeliefert gewesen sei. Ist der Bahn denn zuzumuten,
längst verstaubte Erfahrungen aus dem Jahre 2003, als man verschmutzte
Luftfilter als Ursache der defekten Klimaanlage ausmachte, im Jahre 2010
noch zu berücksichtigen?
Erfreulicherweise sieht die Staatsgewalt die Sache anders. Sie ermittelt
wegen Körperverletzung und unterbliebener Hilfeleistung. Nach
Zeugenaussagen war der Defekt der Klimaanlage in einem der Zügen frühzeitig
bekannt. Nichts geschah. Und als in Stendal ein Zug liegen gebliebenen war,
wurden den dehydrierten Reisenden nicht einmal Getränke angeboten.
Unüberbietbar dreist war angesichts dieses schlicht unterbliebenen
Krisenmanagements die Erklärung des Bahnsprechers Jürgen Kornmann.
Angesichts von 1.400 problemlos verlaufenen Fernverbindungen am Wochenende
müsse man die defekten Züge als "bedauerliche Ausnahmefälle" ansehen. Eine
probate Rechtfertigung und leicht auf alle denkbaren Unfälle und
Katastrophen übertragbar. Wie konnten die Chefs von British Petrol nur so
einfallslos sein und bei der Bohrinsel-Katastrophe im Golf von Mexiko nicht
auf die zahlreichen einwandfrei funktionierenden Tiefseebohrungen auf allen
Weltmeeren verweisen?
Nett, dass der Chef der Deutschen Bahn sich bei einigen Opfern im
Krankenhaus nach der werten Gesundheit erkundigen will. Das wird bestimmt
die junge Mutter erfreuen, die vergeblich versuchte, ein Fenster des ICE
einzuschlagen, um ihrem maladen Kind etwas Luft zu verschaffen. Aber: Kein
Malheur, ist ja nix passiert, mit Schrecknissen dieser Art müssen wir
schließlich alle mal zurechtkommen.
Und: Die Bahn bietet ja auch Entschädigungen an. 25 bis 50 Prozent des
Fahrpreises. Dieses Angebot entspricht der Qualität des vorausgegangenen
Rechtfertigungsjargons im Ganzen. Vielen Dank auch!
12 Jul 2010
## AUTOREN
(DIR) Christian Semler
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