# taz.de -- Kommentar zur Residenzpflicht: Grenzenlose Freiheit für Flüchtlinge
> Mit der Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge zwischen Berlin und
> Brandenburg zeigen SPD und Linke, dass sie Menschenrechte ernst nehmen.
(IMG) Bild: Der Protest war erfolgreich: Demo von Flüchtlingsinitiativen Mitte Juni in Berlin
Berlin und Brandenburg zeigen, wie zwei rot-rote Landesregierungen
erfolgreich zusammenarbeiten können: Zumindest in diesen beiden
Bundesländern gilt nun Reisefreiheit für Asylbewerber. Die
menschenfeindliche Einsperrung innerhalb eines Landkreises ist vorbei. SPD
und Linke zeigen damit zweierlei: wie viel Einfluss Bundesländer bei der
Ausführung von Vorgaben des Bundes haben können, wenn sie wollen; und: wie
unsinnig manche dieser Vorgaben sind.
Die offizielle Begründung für die Residenzpflicht: Flüchtlinge, die um Asyl
bitten, sollen bis zur rechtskräftigen Entscheidung über ihren Status für
die Behörden stets erreichbar sein, schließlich erhalten sie auch
Leistungen vom Staat. Außerdem sollen sie für ihr Asylverfahren erreichbar
sein. Doch das ist offenkundiger Blödsinn. Denn Hartz-IV-Empfänger, die
sogar mehr Geld erhalten als Asylbewerber, dürfen sich schließlich auch
frei bewegen. Und bei Deutschen wird die Erreichbarkeit für die Behörden -
wie etwa das Finanzamt - ja auch nicht dadurch sichergestellt, dass sie die
Stadt nicht verlassen dürfen.
Wenn die Residenzpflicht aber nicht notwendig ist, um die offiziell
genannten Ziele zu erreichen - welches Ziel hat sie denn dann eigentlich?
Es bleibt nur noch die Absicht, Asylbewerber einzuschüchtern und durch
möglichst inhumane Lebensbedingungen den Anreiz zu verringern, nach
Deutschland zu flüchten. Die beiden rot-roten Landesregierungen zeigen
dagegen, dass sie Menschenrecht ernst nehmen. Es sollte noch viel mehr
Bundesländer geben, die so regiert werden.
29 Jul 2010
## AUTOREN
(DIR) Sebastian Heiser
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