# taz.de -- Start der Olympischen Jugenspiele: Lernen für ein Leben ganz oben
       
       > Am Samstag beginnen die Jugendspiele. Damit will das IOC sein
       > Milliardengeschäft mit der olympischen Idee retten. Eine neue Bühne für
       > den Hochleistungssport.
       
 (IMG) Bild: Spektakel für den Nachwuchs: Die Flamme der Jugendolympiade auf den Weg per Drachenboot durch Singapur.
       
       BERLIN taz | Die Jugend soll sich mehr bewegen. Sie soll fair sein, und
       dopen soll sie auch nicht. Mit diesen Zielen schickt das Internationale
       Olympische Komitee junge Menschen aus über 200 Ländern in die ersten
       Olympischen Jugendspiele. Die werden heute in Singapur eröffnet. Geschätzte
       300 Millionen Euro lässt sich das IOC das sportliche Jugendtreffen kosten.
       
       Für den deutschen IOC-Vize Thomas Bach ist das eine "Investition in die
       Zukunft". 2007 bei der IOC-Vollversammlung in Guatemala wurde beschlossen,
       fürderhin Jugendspiele zu veranstalten. Die Funktionäre waren angesichts
       weltweit sinkender TV-Quoten von Übertragungen der Spiele dankbar, dass ihr
       Präsident, Jacques Rogge, die Idee für Jugendspiele formuliert hat.
       
       Jetzt werden sie also eröffnet. Doch mit dem, was Rogge vorschwebte, haben
       die Jugendspiele nicht mehr viel zu tun. Dem IOC-Chef schwebte ein lockeres
       Treffen der Sportjugend vor, bei dem es keine Siegerzeremonien geben sollte
       und eine Medaillenwertung schon gar nicht. Damit konnte er sich nicht
       durchsetzen. Es ist wieder ein Treffen der Besten geworden, die nun ihre
       "ersten olympischen Erfahrungen" (Bach) machen dürfen. Nur das
       Erziehungsprogramm, das neben den Wettbewerben angeboten wird, weist nicht
       den Wettkampfgedanken auf, der die Olympischen Spiele der Erwachsenen
       längst zu einem Welttreffen pharmazeutisch manipulierter Wesen hat werden
       lassen.
       
       Die Jugendsportler im Alter von 14 bis 18 Jahren können da etwas über
       Karriereplanung, "well-being", "healthy lifestyle" und soziale
       Verantwortung in der Gesellschaft lernen. Wer das Programm des "Culture and
       Education Programme" liest, dem wird auffallen, dass ein Wort dominiert:
       "fun". Die "Freude", wie Thomas Bach sagt, soll im Mittelpunkt der
       Jugendspiele stehen. Alles soll lustig und locker aussehen. Und die
       führenden Sportfunktionäre dürfen, wenn sie den jungen Leuten beim Sporteln
       zusehen oder ihnen eine Medaille umhängen, die Krawatte im Schrank lassen.
       Der Dresscode ist "casual". Auch hier findet die Angst des IOC Ausdruck,
       die Jugend der Welt könne das Interesse an den Olympischen Spielen
       verlieren.
       
       Einen jugendlichen Anstrich versucht das IOC seinen Spielen seit ein paar
       Jahren auch dadurch zu geben, dass die Spaßsportarten wie BMX oder
       Ski-Cross in das offizielle Wettkampfprogramm aufgenommen hat. Doch das
       Bild Olympischer Spiele ist immer noch eher von der Verbeugung eines
       Turners vor dem Kampfgericht geprägt als von den Leistungen des DJs, der
       beim Beachvolleyball in den Auszeiten für Stimmung sorgen soll. Mit den
       Jugendspielen sollte das anders werden.
       
       Doch Neuerungen sind die Ausnahme. So spielen die Basketballer eine
       Streetball-Variante auf einen Korb. Dann gibt es in der Leichtathletik und
       im Schwimmen gemischte Staffeln. Das Gewichtheben der 17-Jährigen hingegen
       wird aussehen, wie ein Gewichtheberwettbewerb eben aussieht.
       
       "Kinder und Jugendliche sind immer größeren Gefahren des Konsums
       ausgesetzt, ihre Verweilzeiten vor dem Computer und ihr TV-Konsum sind
       ständig im Wachsen begriffen", weiß Helmut Digel. Der Sportwissenschaftler
       hat mitgearbeitet am Erziehungsprogramm für Singapur und hofft, dass mit
       den Jugendspielen das "weltumfassende Problem" Adipositas bei Jugendlichen
       einer Lösung näher gebracht werden kann. Digel weiß auch, dass das
       olympische "Fair-Play-Ideal durch den global sich ausbreitenden
       Dopingbetrug erheblich beschädigt" ist. Auch hier soll das
       Erziehungsprogramm ansetzen.
       
       Doch worum es wirklich geht, zeigen die Gesprächspartner, die der Jugend in
       Singapur präsentiert werden sollten, damit sie erzählen können, wie es ist,
       wenn man es geschafft hat: Wundersprinter Usain Bolt, Wunderschwimmer
       Michael Phelps und Wunderstabhochspringerin Jelena Isinbajewa. Erstere
       haben zwar abgesagt, aber wie sie es geschafft haben, welche Mittel sie
       ggf. dafür eingesetzt haben, das hätten sie eh nicht erzählt. Es geht nicht
       darum, der Fettleibigkeit zu entrinnen, es geht darum, nach ganz oben zu
       gelangen. Das ist die eigentliche olympische Idee.
       
       13 Aug 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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