# taz.de -- Einheitsfeier: Sinnlose innerlinke Differenzen
       
       > Die Hingabe, mit der innerlinke Differenzen kultiviert werden, ist
       > sinnlos. So bleibt die Kritik in genau jener Defensive, in der ihre
       > Gegner sie am liebsten sehen.
       
 (IMG) Bild: Schlagbaumballett im letzten Jahr, Nena und Günter Grass in diesem: bei der Einheitsfeier soll die Kunst nicht fehlen
       
       Es soll alles beschwingt zugehen und locker, irgendwie wie beim Kirchentag
       oder beim Public Viewing. Wenn es nach den Ausrichtern der zentralen
       Einheitsfeier geht, dann soll der 3. Oktober kein Tag sein, der Angst macht
       vor einem neuen Großdeutschland.
       
       In den frühen 90er Jahren, die gekennzeichnet waren von den Pogromen in
       Mölln oder Lichtenhagen, fürchteten viele genau dies: Ein Deutschland, das
       sich nicht mehr als die "bessere Alternative" beweisen musste, in dem sich
       neuer Nationalismus ungezügelt breit machen werde. Entsprechend fiel damals
       die Reaktion auf die Einheitsfeier aus.
       
       Der Zeitgeist ist heute ein anderer, doch noch immer ist die vermeintlich
       unverkrampfte Inszenierung der nationalen Einheit vielen ein Anlass zu
       Skepsis und Kritik. Denn tatsächlich haben die zwei Jahrzehnte auch vieles
       von dem gebracht, was Kritiker damals kommen sahen: Sozialabbau durch Hartz
       IV oder die Beteiligung an Angriffskriegen.
       
       Kritik an diesen Dingen zu üben ist prinzipiell eine durchaus
       mehrheitsfähige Angelegenheit. Menschen zu erklären, warum das Deutschland,
       das sie feiern werden, eben auch diese Seiten hat, ein sinnvolles
       Unterfangen. Die Hingabe, mit der innerlinke Differenzen kultiviert werden,
       ist es hingegen nicht. Sie hat nur ein Ergebnis: Die Kritik bleibt in genau
       jener Defensive, in der ihre Gegner sie am liebsten sehen.
       
       16 Aug 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Jakob
       
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