# taz.de -- Väter und Elterngeld: "Selten mehr als zwei Monate"
> Immer mehr Väter nehmen Elternzeit und sehen in der Auszeit kein
> Karrierehemmnis. Die Tübinger professorin Kerswtin Pull über die
> Vätermonate.
(IMG) Bild: Wer nur zwei Monate Zeit hat, muss sich schon mal beeilen.
taz: Frau Pull, das Bundesfamilienministerium spricht im Zusammenhang mit
dem Elterngeld gern von einer "Väterrevolution". Sie haben untersucht,
inwieweit Männer dank des Elterngelds bereit sind, Vätermonate zu nehmen.
Ist das Elterngeld ein Erfolgsmodell?
Kerstin Pull: Ja, das ist es. Es gehen deutlich mehr Väter als früher in
Elternzeit. Das zeigen ja auch offizielle Statistiken. Auch wenn sich
unsere Zahlen nicht so ohne Weiteres hochrechnen lassen, weil Väter in
Elternzeit in unserer Befragung deutlich überrepräsentiert sind.
Sie machen in Ihrer Studie trotzdem Einschränkungen. Welche?
Es gehen zwar mehr Väter in Elternzeit, aber die Dauer der väterlichen
Erziehungszeit ist zurückgegangen. Mehr als zwei Monate sind für die
meisten Väter nicht drin.
War das Vorgängermodell Erziehungsgeld besser?
Nein, so einfach lässt sich das nicht sagen. Das Elterngeld hat zumindest
einen hohen symbolischen Wert. Unsere Studie zeigt auch, dass Väter, die
eine Auszeit wegen ihres Kinds nehmen, diese jetzt viel weniger als
Karrierehindernis betrachten. Dass man Karrierehemmnisse befürchtet, war
und ist ein Grund dafür, dass Väter nicht in Elternzeit gehen.
Was hat sich seit der Reform noch getan?
Einkommensdifferenzen spielten früher eine entscheidende Rolle: Je mehr
Geld der Vater im Vergleich zur Mutter verdiente, desto seltener ging er in
Elternzeit. Das scheint nach der Reform kein Argument mehr zu sein.
Was müsste für eine echte "Väterrevolution" tatsächlich passieren?
Die Elterngeldreform hat in den Köpfen der Menschen offenbar schon einiges
bewegt. Insofern habe ich die Hoffnung, dass sich da noch mehr tun wird,
als wir jetzt in den nackten Daten sehen können.
22 Aug 2010
## AUTOREN
(DIR) Niklas Wirminghaus
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