# taz.de -- Historiker Pohl über die Ehrenmal-Ausstellung: "Der Glaube an die eigene gute Sache sitzt tief"
> Karl Heinrich Pohl von der Uni Kiel kritisiert die Ausstellung in Laboe.
> Statt einer differenzierten Betrachtung der deutschen Geschichte
> dominiere bei der Marine noch immer das Bild des U-Boot-Kämpfers als
> tollem Hecht.
(IMG) Bild: Da wurde es noch renoviert: Das Marine-Ehrenmal in Laboe (Kreis Plön) an der Kieler Förde im Jahr 1997.
taz: Herr Pohl, Sie und weitere örtliche Historiker opponieren gegen die
neue Ausstellung im Marine-Ehrenmal Laboe. Warum?
Karl Heinrich Pohl: Lassen Sie mich kurz grundsätzlich werden: Die neuere
Museumsdidaktik ist sich darin einig, dass der Besucher mit mehr Fragen aus
einer Ausstellung herausgehen soll, als er hineingeht. Es dürfen mithin
dort keine absoluten Wahrheiten verkündet werden, weil es die nicht gibt.
Ein Beispiel: die Flottenpolitik und die Kriegsschuldfrage des Ersten
Weltkrieges. Die wird in der Geschichtswissenschaft bis heute kontrovers
diskutiert - diese Kontroverse muss man wiedergeben. Genau dies geschieht
in Laboe nicht: Da ist Europa definitiv nur wegen mangelnden
Krisenmanagements in den Krieg hineingeschliddert.
Sie kritisieren auch die finanzielle Unterstützung.
Wenn relativ viel öffentliches Geld ausgegeben wird, hat die Öffentlichkeit
ein Recht, dass vorher geprüft wird, ob die Ausstellung wissenschaftlichen
Standards genügt. Genau das ist nicht geschehen. Weder die Kieler
Hochschule noch wichtige örtliche Gedenkstätten sind einbezogen oder auch
nur informiert worden. Wir haben nur durch Zufall von der ganzen Sache
erfahren. Privat kann der Marinebund als Träger des Hauses machen, was er
will. Aber nicht, wenn er sich eine Ausstellung staatlich subventionieren
lässt.
Sie waren mittlerweile vor Ort.
Das Dilemma beginnt schon damit, dass für das gesamte Ehrenmal gilt:
"Gewidmet allen auf See Gebliebenen". Ob einer also Handelsschiffe
torpediert und später selbst versenkt wird oder ob einer mit einem
Handelsschiff untergeht, alle sind sie Opfer. Eine Differenzierung, die
gerade für die deutsche Geschichte wichtig wäre, findet nicht statt.
Nebenbei: Die Geschichtswissenschaft ist spätestens seit der
Wehrmachtsausstellung ein ganzes Stück weiter - und die öffentliche Meinung
auch.
Warum fällt es der Marine bis heute so schwer, sich ihrer Geschichte zu
stellen?
Ich bin mal gebeten worden mit Studenten eine Konzeption für die
geschichtliche Sammlung der Marineschule in Mürwik zu erarbeiten. Dabei
hatten wie engen Kontakt mit Marinehistorikern und mussten feststellen: Der
Glaube an die eigene "gute" Sache ist tief verankert. Jeder, der etwas
dagegen sagt, ist ein eine Art Nestbeschmutzer. Die Verbrechen der
Wehrmacht, des Heeres, die sind bekannt. Bei der Marine dominiert dagegen
immer noch das Bild des einzelnen U-Boot-Kämpfers, der eigentlich ein
toller Hecht war.
Was ist aus Ihrer Konzeption geworden?
Unsere Überlegungen sind dankend zur Kenntnis genommen worden.
Können Sie eine Arbeit zum Thema Marine empfehlen?
Nein. Das muss ich unserer Zunft vorhalten: Man kann nicht immer nur die
"konservative Marinegeschichtsschreibung" kritisieren und selbst keine
bessere Gesamtdarstellung schreiben. Eine Marinegeschichte - auch als
Sozial- und Kulturgeschichte -, die wartet noch. Dabei bietet sich die
Marine sehr gut an, zwei verschiedene Traditionslinien aufzuzeigen: die
konservative Tradition der Marineführung, die etwa beim Kapp-Putsch
mitgemacht hat, und eine demokratische: Schließlich ist die Revolution 1918
von der Marine ausgegangen. Da hätten Sie übrigens die Dynamik der
Kontroverse, von der ich eingangs sprach.
25 Aug 2010
## AUTOREN
(DIR) Frank Keil
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Die zentrale Ausstellung des Marine-Denkmals Laboe ist zaghaft überarbeitet
worden. Mehr will sich die Marine nicht zumuten.