# taz.de -- Kommentar Regeln für Derivate: Endlich Licht ins Dunkel
> Mit den neuen EU-Regeln zu Derivaten kommt endlich Licht in eine
> gigantische Schattenwirtschaft - falls die Finanzlobby im EU-Parlament
> die Regelungen nicht doch noch kippt.
Die EU präsentiert endlich ihre Verordnung über die "finanziellen
Massenvernichtungswaffen", wie Starinvestor Warren Buffet die abseits der
Börse gehandelten Finanzwetten nannte. Im Jargon heißen sie
Over-the-counter-Derivate (OTC), also zwischen zwei Firmen abgeschlossene
Verträge über Wetten auf künftige Rohstoff- oder Währungskurse, auf Wetten
zu Wetten und so weiter.
Dass die Finanzkrise so stark hochschwappte, war wesentlich den
OTC-Derivaten geschuldet. Über sie wird ein x-Faches des Weltwarenwertes
gehandelt, aber niemand hat einen Überblick, wer mit wem und zu welchen
Bedingungen. Die Kommission hat nun eine Verordnung vorgelegt, die Licht in
das Dunkel bringt.
Sie springt dabei zwar nicht weit genug, aber dadurch, dass es nur noch
Standardtypen von Verträgen geben soll und diese weitgehend bei einer
Zentralstelle registriert werden, können Beobachter endlich beziffern, wie
viele Billionen genau in dieser bisherigen Schattenwirtschaft gehandelt
werden. Die USA haben dieses Jahr ein ähnliches Gesetz verabschiedet. Damit
sind die beiden größten Wirtschaftseinheiten mit im Boot.
Nun zu den Problemen: Der Vorschlag muss noch durch das EU-Parlament und
durch die Regierungen der einzelnen Länder. Hier wird die Finanzlobby
ansetzen und versuchen, möglichst viele Schlupflöcher einzubauen. Außerdem
wurden bestimmte, besonders schwer zu durchschauende und für die
Realwirtschaft widersinnige Derivate nicht verboten. Das ist ein Fehler.
Denn das war ja gerade ein Lehre aus der Finanzkrise: Unternehmen brauchen
die Absicherung ihres Handels über Finanzinstrumente, aber die Banken
nutzen den Markt, um durch immer komplizierter strukturierte Wetten ihr
Gegenüber über den sprichwörtlichen Counter zu ziehen.
15 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Reiner Metzger
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