# taz.de -- Kommentar Migranten im Ehrenamt: Weg mit dem Tendenz-Betrieb
       
       > Es nicht zu rechtfertigen, dass Migranten zwar kostenlos der guten Sache
       > dienen dürfen, bei vielen bezahlten Diakonie-Jobs aber ohne Chance wären.
       
 (IMG) Bild: Neue Zielgruppe entdeckt: Die Hamburger Diakonie und andere christliche Träger würden gerne mehr auf Migranten setzen.
       
       Wenn im Sozialbereich überall am Personal gespart wird, ist es nur logisch,
       dass die diakonischen Träger verstärkt Ehrenamtliche rekrutieren, um den
       Standard ihrer Leistungen zu halten. Aber immer weniger Menschen fühlen
       sich den Kirchen so verbunden, dass sie allein daraus eine Verpflichtung
       zum Engagement ableiten. Und auch auf dem Ehrenamts-Markt macht sich der
       demografische Wandel bemerkbar.
       
       Schon seit geraumer Zeit baggern soziale Träger fitte Alte an - das
       Angebot: Sinnstiftung gegen unbezahlte Arbeit. Migranten sind einfach die
       nächste Reserve, auf deren Erschließung zu verzichten sich niemand leisten
       kann. So weit, so legitim.
       
       Allerdings kommen die kirchlichen Träger in Argumentationsnöte, da die
       große Mehrheit der Einwanderer einen muslimischen Hintergrund hat. Wie ist
       zu erklären, dass sie zwar kostenlos der guten Sache dienen dürfen, bei
       einem Großteil der bezahlten Diakonie-Jobs aber ohne Chance wären, weil der
       Tendenz-Betrieb hochgehalten wird? Gerade im Behindertenbereich, wo
       zunehmend ehrenamtlich passiert, was früher Festangestellte gemacht haben,
       ist das nicht zu rechtfertigen.
       
       Wenn die Diakonie Migranten will, muss sie sie ganz wollen. Der
       konfessionelle Tendenz-Betrieb muss weg. Ein Wertekonsens muss stattdessen
       über die Eignung für den Dienst am Menschen entscheiden.
       
       Warum sollten Migranten kostenlos dienen, wenn sie keine echten Jobs
       kriegen?
       
       15 Oct 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Kahlcke
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ehrenamt: Mit anderem Maßstab
       
       Die Festangestellten sollten Mitglied in der Kirche sein, unbezahlt aber
       darf jeder ran: Für freiwilliges Engagement sucht das Diakonische Werk in
       Hamburg ausdrücklich Menschen mit ausländischen Wurzeln.