# taz.de -- Proteste in Frankreich: Polizei löst Blockaden auf
       
       > Kurz vor den Abstimmungen zur Rentenreform gehen Beamte gegen Streikende
       > vor einer Raffinerie und einem Benzinlager vor. Die Gewerkschaften rufen
       > zu weiteren Protesten auf.
       
 (IMG) Bild: Von der Gendarmerie gebrochen: Arbeiterblockade vor der Raffinerie Grandpuits im Großraum Paris.
       
       PARIS afp/dapd | Die französische Polizei hat am Freitagmorgen erstmals die
       Blockade einer Raffinerie aufgelöst, die streikende Arbeiter im Zuge der
       Rentenproteste besetzt hatten. Kurz vor der erwarteten Abstimmung im Senat
       über die umstrittene Rentenreform kam es an dem Werk in Grandpuits zu
       Rangeleien zwischen Beamten und streikenden Arbeitern. Rettungskräfte
       brachten Krankentragen zu dem Depot.
       
       Bei der Aktion in der Raffinerie Grandpuits im Großraum Paris wurden nach
       Angaben der Gewerkschaft CGT drei Streikende verletzt. Bei der Räumung habe
       es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte dagegen der französische
       Innenminister Brice Hortefeux. Auch in Grand Quevilly in Westfrankreich
       durchbrach die Polizei am Freitagmorgen einen Streikposten vor einem
       Benzinlager. Die Blockade war Anfang der Woche zwar bereits geräumt worden,
       aber am Donnerstag hatten Arbeiter das Depot wieder besetzt.
       
       Frankreich hat zwölf Raffinerien, die bis Freitagmorgen alle blockiert
       waren. Die Protestaktionen betreffen auch Treibstofflager, wo die Polizei
       bereits einige Blockaden beendet hatte. Die Gewerkschaft CGT warf der
       Regierung angesichts der aufgelösten Blockade vor, das Streikrecht zu
       missachten.
       
       Laut Energieminister Jean-Louis Borloo verbesserte sich die
       Benzinversorgung im Land zu Beginn der Herbstferien langsam. Etwa ein
       Fünftel der Tankstellen hätten überhaupt kein Treibstoff, sagte Borloo. Vor
       einigen Tagen seien es noch fast die Hälfte gewesen. Der Verband der
       Mineralölindustrie UFIP erklärte, dass Frankreich genügend Reserven für
       mehrere Monate habe, selbst wenn die Produktion in den Raffinerien nicht
       schnell wieder anlaufe. Die Unternehmen wollen in diesem Fall unter anderem
       mehr importieren.
       
       Der Streit um die Rentenreform sollte am Freitag in die entscheidende Phase
       gehen. Der Senat wollte bis zum Abend über das Projekt von Präsident
       Nicolas Sarkozy abstimmen, das eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf
       62 Jahre vorsieht. Die Abstimmung werde in den "kommenden Stunden"
       stattfinden, sagte Arbeitsminister Eric Woerth am Morgen im Fernsehen.
       Nächste Woche soll dann die Schlussabstimmung in der Nationalversammlung
       folgen.
       
       Die Gewerkschaften bekräftigten, ihre Demonstrationen und Streiks auch nach
       dem Votum im Senat fortzusetzen. Sie riefen für kommenden Donnerstag und
       für den 6. November zu zwei weiteren Protesttagen auf. Zuletzt waren am
       Dienstag nach Gewerkschaftsangaben rund 3,5 Millionen Menschen auf die
       Straße gegangen, das Innenministerium sprach von 1,1 Millionen
       Demonstranten.
       
       Sarkozys Beliebtheit ist eineinhalb Jahre vor der nächsten Wahl auf einem
       Tiefpunkt angelangt. Die Mehrheit der Franzosen ist Umfragen zufolge für
       die Protestaktionen der Gewerkschaften.
       
       22 Oct 2010
       
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