# taz.de -- Streit der Woche: Macht das Grundeinkommen faul?
       
       > Geld für alle, ohne Gegenleistung: Das verspricht das Grundeinkommen, mit
       > dem sich der Petitionsausschuss des Bundestages beschäftigt - eine
       > verrückte Idee?
       
 (IMG) Bild: Ihre Meinung steht fest: Grundeinkommen-Befürworterin.
       
       Am Montag, den 8. November 2010, wird Susanne Wiest mit ihrer Petition für
       ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1500 Euro vor dem
       Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Sitzung
       angehört.
       
       Susanne Wiest hat mehr als 50 000 Unterschriften für ihre Idee eines
       bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gewinnen können. Um allen Bürgern ein
       würdevolles Leben zu gewährleisten, soll jeder Erwachsene monatlich 1500
       Euro erhalten. Im Gegenzug würden alle Subventionen und Transferleistungen
       gestrichen. Das Grundeinkommen soll durch den Wegfall des
       Arbeitslosengeldes, der Sozialhilfe, des Kindergeldes und der damit
       einhergehenden Reduzierung der Bürokratie- und Verwaltungskosten finanziert
       werden. Ähnliche Überlegungen gibt es in allen Parteien, von der Linken bis
       zur FDP. Die Liberalen nennen es "Bürgergeld", das allerdings gekürzt wird,
       wenn jemand zumutbare Arbeit ablehnt.
       
       Die Befürworter des BGE argumentieren mit den sozialem Strukturwandel in
       unserer Gesellschaft. Durch den technologischen Fortschritt wird es in
       Zukunft immer weniger entlohnte Erwerbsarbeit geben und der demographische
       Wandel wird in wenigen Jahrzehnten bereits zu einem Kollaps des
       Rentensystems führen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nun die
       Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung, unabhängig vom existentiellen
       Druck des Geldverdienens, mehr Zeit für soziale Tätigkeiten wie
       Kindererziehung oder die Betreuung alter Menschen aufwenden könnte. Darüber
       hinaus ermöglicht das BGE jedem Menschen, ein würdevolles Leben in freier
       Selbstbestimmung zu führen.
       
       Kritiker befürchten, ein bedingungsloses Grundeinkommen werde Bürger zur
       Untätigkeit verleiten, da der materielle Anreiz zu arbeiten sinke. Ebenso
       würde durch die Einführung des BGE der Niedriglohnsektor mit unangenehmen
       Arbeiten zum Erliegen kommen. Niemand würde zum Beispiel den Müll abholen.
       Nach Ansicht von Gerd Habermann von der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger
       Unternehmer beruht die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auf der
       Idee von einem Staat, in dem alle auf Kosten der Leistungsträger leben
       könnten. Außerdem würde es zu einem starken Sinken der Arbeitsmotivation
       kommen und sich eine innovationsfeindliche "Rentntermentalität" ausbreiten.
       
       Was würde also geschehen, wenn jeder von uns plötzlich 1500 Euro in der
       Tasche hätte? Ginge dann überhaupt noch jemand arbeiten? Würde der
       Kapitalismus, der ja auf Konkurrenz und Leistung basiert, unter solch einem
       Modell zusammenbrechen? Oder würden sich die Menschen mit der Auszahlung
       des BGE freier entfalten und noch mehr sozial engagieren?
       
       Unsere Frage der Woche lautet: Macht das Grundeinkommen faul?
       
       26 Oct 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alem Grabovac
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bedingungsloses Grundeinkommen
       
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