# taz.de -- Kommentar Wasserpreise: Kommunale Politiker in Versuchung
       
       > Bei den Wasserwerken wäre Kontrolle doppelt wichtig, weil die Käufer
       > nicht auf dem Markt konkurrieren müssen.
       
 (IMG) Bild: Ganz schön begehrt: das Wasser aus der Leitung.
       
       Es waren in Berlin wie in Bremen große Koalitionen, die die Privatisierung
       der kommunalen Wasser-Versorgung ohne große Oppositionsproteste durchwinken
       konnten. Die Vertragswerke sind hunderte von Seiten dick und streng geheim.
       Im Normalfall dauert es Jahre, bis bekannt wird, was da unterschrieben
       wurde. Dann sind die, die die Entscheidungen zu verantworten haben, längst
       nicht mehr im Amt.
       
       Dabei wäre Kontrolle doppelt wichtig. Denn die Stadtväter sind in einem
       Interessenkonflikt. Eigentlich müssten sie die Interessen ihrer Bürger
       vertreten, also der Wasser-Verbraucher. Gleichzeitig wollen sie möglichst
       hohe Verkaufserlöse in die Stadtkasse bekommen. Da die Käufer aber nicht
       auf dem Markt mit anderen Anbietern konkurrieren, sondern ihre Kosten in
       vertraulichen Verhandlungen gegenüber der Stadt geltend machen, die
       wiederum die Gebühren danach festlegt, gibt es in diesen Verhandlungen
       niemanden, der die Interessen der Verbraucher vertritt.
       
       Je höher die Gebühren und somit die Zahlungen an die Privaten, desto höher
       die Verkaufserlöse. Es ist völlig klar, dass die Erhöhung der
       Abwasserpreise in Bremen 1996 genauso wie die Gewinngarantie-Klausel in
       Berlin den Wert der privatisierten Wasserwerks-Anteile gesteigert haben.
       Und der Preisvergleich zeigt: Die privaten Wasser-Versorger der Republik
       sind keineswegs die preisgünstigeren.
       
       1 Nov 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Wolschner
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Fragwürdige Privatisierungen: Haushaltsnot lässt Gewinne sprudeln
       
       Die Wasser-Versorgung zu verkaufen, war verführerisch: Bremen vermied durch
       die Verkaufserlöse eine Neuverschuldung. Dafür machen die Investoren satte
       Gewinne und die Zeche zahlt der Bürger.